05.05.2020 I Ein Interview geführt von Fiona Hörtrich | Symbolbild: Unsplash, Bilder im Text: KALIMA

Die produzierte “Lebenskleidung” von KALIMA setzt auf ein ganzheitliches Verschmelzen zweier Kulturen und dessen Handwerk. Frau Ostermann beschreibt voller Leidenschaft ihre biologisch hergestellte Kleidung und was dahintersteckt.

LifeVERDE: Frau Ostermann, bitte stellen Sie uns Ihre Marke KALIMA und das Unternehmen einmal kurz vor.

Michaela Ostermann: Das KALIMA- Design der bayrischen Inderin ist ein von mir gegründetes Modelabel, mit dem Schwerpunkt auf Pflanzenfarben, interkultureller Zusammenarbeit, ethischer Herstellung und Handarbeit. Es wird von zwei verschiedenen Kulturen geprägt und setzt auf gesunde Kleidung und Maßanpassung. Als gelernte Intensivkrankenschwester liegen mir Gesundheit und vor allem Menschen am Herzen und ich wusste vor knapp drei Jahren noch nicht, dass die Einladung zu einer Hochzeit nach Indien mein ganzes Leben auf den Kopf stellte und ich meine Hobbies, Leidenschaft und Kreativität und meinen Beruf, in einer komplett neuen Art verbinde.

Wofür steht KALIMA in drei Worten?

Handgemacht- Pflanzlich gefärbt- Ethisch

Welche Rolle spielt für Sie das Thema Nachhaltigkeit? Spiegelt es sich in Ihrer Arbeit und in Ihrem Angebot wider, Stichwort SDGs?

Nachhaltigkeit verstehe ich im Sinne des Kreierens einer enkelwürdigen Zukunft, das fängt an mit der sozialen Verantwortung gegenüber meiner Familienbetriebe in Indien, meiner Verbundenheit und Respekt der Natur gegenüber und der gesellschaftlichen Verantwortung gegenüber meiner Kunde*innen und den zukünftigen Generationen. 

Soziale Verantwortung gegenüber meinen Familienbetrieben:
Ich liebe sie und ohne diese Menschen, ihr Interesse, ihr Wissen, ihrer Liebe und ihrer Hingabe hätte ich es gar nicht gewagt, KALIMA zu gründen und aufzubauen. Durch das gemeinschaftliche Arbeiten, das Erschaffen von etwas Neuem aus altem traditionellem Kunsthandwerk, das Wirken mit den Händen, haben sich Beziehungen aufgebaut, die man nicht als Geschäftsbeziehung bezeichnen kann. Sehr gern könnt ihr auf meiner Homepage vieles nachlesen oder auf meinen social media accounts wie FacebookInstagram oder Youtube, sogar Kontakt zu Mitgliedern meines Teams aufnehmen.

Verbundenheit und Respekt gegenüber der Natur:
Naja, ich bin ein Landmädel, wohne inmitten der bayrischen Alpen, mit eine, Selbstversorger-Garten und Natur pur. Die Faszination der Farben und Strukturen, der stetige Wandel und der Zauber, der von unserer Mutter Natur ausgeht, genau wie die gewaltige Zerstörung, die auch durch Naturgewalten einhergehen kann, verleihen mir einen enormen Respekt. Die Natur braucht uns nicht, aber wir brauchen die Natur.

Und immer wieder fasziniert mich die wunderbare Fülle, die offenbart wird in einer Zusammenarbeit, hier eben auch eine Zusammenarbeit mit der Natur. Es ist wie ein Kreislauf – die Färberpflanzen, die sowohl hier in Bayern als auch in Indien wachsen, landen hier und dort nach dem Färben wieder auf dem Kompost und auch das Waschmittel, sofern sie pflanzliches wie Kastanien oder Efeu verwenden, erweist sich als super Dünger.

Die Effekte, die in der Zusammenarbeit mit der Natur entstehen, werden in Permakultur lebendig, sind aber auch im Baumwollanbau zu sehen. Leider treibt es immer wieder viele Baumwollfarmer in Indien zum Selbstmord, aufgrund der hohen Verschuldung einer gen-manipulierten Baumwolle, deren Wasserbedarf nicht durch den Monsun gedeckt wird und die gebrauchten Chemikalien zur Schädlingsbekämpfung sehr teuer sind. Danach haben sie nicht mal mehr Saatgut.
Die Krux an dieser Sache ist, dass sich die anderen Bauern auch keine Zertifizierungen leisten können. Lest dazu auch meine Geschichte vom kleinen Baumwollfaden in meinen Blog.
Und P.S.: die Qualität der Baumwolle lässt sich nicht nur spüren, sondern auch messen. Oft wird bei „schweren“ Stoffqualitäten minderwertige Baumwolle verarbeitet, die zu dickeren Garnen gesponnen werden muss, damit sie hält. Feine Baumwollstoffe, wie wir sie verwenden, lassen sich nur aus feinen Garnen herstellen und diese können nur aus hochwertiger, langfaseriger Baumwolle gesponnen werden – wie ich mir vor Ort erklären ließ. Ich hoffe, dass unsere Natur mir, in Hinblick des Ganzen, die Flugreisen verzeiht.

Gesellschaftliche Verantwortung: 
Gesetzlich vorgeschrieben ist die Angabe der Faser, allerdings sind in den künstlichen Farben gesundheitsschädliche und naturschädliche Substanzen enthalten. Wenn ich meine Pflanzen damit düngen kann, kann ich sie auch mit guten Gewissen auf die Haut tragen.

Die Maßanfertigungen und auch Stil- und Farbberatung, die ich hier in Bayern mache, aber auch gern online, hat nicht nur den Hintergrund, so wenig wie möglich von unserem Stoff zu verschwenden, sondern auch den hier wohnenden Frauen das Körpergefühl zu geben, welches ich von den indischen Frauen erlebe. Aus diesem Grunde wurden die europäischen und indischen Schnitte zusammengeführt. Und ehrlich gesagt was anderes würde weder zu mir noch zu KALIMA passen. Denn die Stoffe und Pflanzenfarben lassen sich so wenig katalogisieren oder konfektionieren wie Frauenkörper. Und da KALIMAS Kleidung lebendig ist, soll sie auch getragen werden und nicht im Schrank hängen.

Zudem arbeite ich als Dialoger von Sevengardens am Aufbau von Projekten, AGs, Schüler Workshops, internationale Partnerschaften, mit Schwerpunkt auf Mode, SDGs, Kunst und Bildung. Bei Interesse dürfen sich sich gerne melden bei mir unter info@kalima-design.de

Durch welche Produkteigenschaften würden Sie sagen, sind Ihre nachhaltigen Produkte besser als die konventionellen bzw. was sind Ihre Alleinstellungsmerkmale?

Ich denke KALIMAS Alleinstellungsmerkmale haben sich aus dem vorherigen Kontext von allein ergeben. In Indien habe ich gelernt nicht zu bewerten, denn jeder muss sich selbst im Spiegel ansehen können und ich kann das und mit mir mein Team.

In welchem Preissegment sind Ihre Produkte angesiedelt und welche Rolle nimmt das Thema Preis bei Ihnen ein?

„Ich habe mich verliebt“, das sind Komplimente von meinen Kunden*innen. Ein Kleidungstück zu tragen, das dieses Gefühl auslöst, ist eigentlich unbezahlbar und spiegelt eigentlich das Gefühl wider, von der Herstellung bis zu dem Zeitpunkt, wenn ich es verschicke.

Bei meinen Preisen spielt die wichtigste Rolle, dass ich mein Team in Indien angemessen bezahlen und KALIMA weiter aufbauen kann. Die Kleidung soll aber auch bezahlbar sein, so dass jede die Möglichkeit hat, die Wertigkeit und Qualität zu tragen. Natürlich möchte ich auch irgendwann von dieser Arbeit mit KALIMA leben. Den Aufbau und KALIMA selbst finanziere ich momentan noch mit meiner Arbeit als Intensivkrankenschwester.

Selbstverständlich macht mir auch die momentane Situation Sorgen, bzw. die Folgeschäden daraus und ich hoffe auch, mehr als bezahlte Arbeit, finanzielle Unterstützung bieten zu können.

Aber eins möchte ich noch erwähnen, wenn Menschen und Umwelt sterben müssen, um hier ein fünf Euro teures Kleidungstück anbieten zu können, das beim dritten Waschen kaputt geht, ist es eben nicht billig, das ist „fakecheap“, wie es in Indien auch genannt wird.

Interessiert daran, den kompletten Beitrag über KALIMA zu lesen? Dann wirf mal einen Blick auf LifeVERDE: https://www.lifeverde.de/nachhaltigkeitsmagazin/gruene-wirtschaft/gesunde-oekologische-mode-ueber-grenzen-hinweg

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