Hanf zum Anziehen – zeitlose Mode von MÁ Hemp Wear

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INTERVIEW |Kaum eine Pflanze ist so vielseitig wie Hanf. MÁ Hemp Wear nutzt die Diversität und verwendet die Hanfpflanze, um Mode unter der Prämisse Nachhaltigkeit zu kreieren. Mehr dazu im Interview.

Schon mal von Textilien aus Hanf gehört? Neben guten Trageeigenschaften ist Kleidung & Co. aus Hanf in Puncto Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung ein wahrer Spitzenreiter. Diesem Gedanken folgend, wurde das nachhaltige Label MÁ Hemp Wear gegründet, welches zeitlose und funktionale Mode aus Hanf herstellt. So setzt das Unternehmen nicht nur ein Zeichen für die Slow Fashion Bewegung, sondern schont auch eine Menge Ressourcen und tut damit der Umwelt einen Gefallen.

Welche positiven Trageeigenschaften bringt Hanf mit sich? Was zeichnet die Kollektionen von MÁ Hemp Wear aus und wie viele Emissionen können bei der Produktion der nachhaltigen Mode tatsächlich eingespart werden? Das und mehr erfährst du im Interview mit Gründer Ulrik Schiötz.

Nachhaltige-Mode.de: Ulrik, die Mission von MÁ Hemp Wear begann mit der Begeisterung für Hanf. Was ist die Geschichte eures Labels?

Ulrik: Die Geschichte von MÁ Hemp Wear fing damit, dass ich einen Wunsch hatte ein Produkt zu launchen welches radikal in Sachen Nachhaltigkeit ist. Über Recherche bin ich auf Hanftextilien gestoßen und habe mich blitzschnell in das Thema vertieft. Über ein paar Monate wurden die ersten Sourcingkontakte geknüpft, ein Businessplan entworfen und die ersten Teammitglieder (damals noch als Freelancer) angeworben.

Ich habe dann eine Weile gebraucht um Stoffe, Näherei und Abwicklung der Geschäftsabläufe für die erste Kollektion auf die Beine zu stellen und nach ca. einem Jahr ging unsere erste Kollektion zwischen Weihnachten und Neujahr 2019 an den Start. Mittlerweile ist unsere dritte Kollektion im Verkauf und wir freuen uns auf den baldigen Launch der nächsten!

Bild: MÁ Hemp Wear

Viele bringen mit der Hanfpflanze eher CBD-Produkte oder Lebensmittel wie Öle in Verbindung. Warum eignet sich Hanf aber auch so gut als Material zur Herstellung von Kleidung?

Ja, Hanf ist sehr vielseitig! Für Textilien ist er ein wahres Wundermaterial weil er gute Trageeigenschaften hat. Ähnlich wie Leinen ist Hanf bei heißem Wetter kühlend dahingegen aber auch bei kaltem Wetter wärmend. Hanf ist auch ein robustes Material (höchster Bruchwiderstand aller natürlichen Fasern) was bedeutet, dass die Teile lange halten. Man merkt an der Haptik, dass Hanf mehr Griff hat als zum Beispiel Baumwolle und diese Haptik fühlt sich super auf der Haut an. Wenn man ein Hanfteil trägt, merkt man, dass es mehr Substanz hat als Baumwolle und gleichzeitig ist des super leicht und luftig auf der Haut. Wirklich ein tolles Tragegefühl.

Darüber hinaus ist Hanf auch Antibakteriell, was bedeutet, dass die Teile länger frisch bleiben, dermatologisch ohne bekannte Unverträglichkeiten und auch besonders UV-Resistent. Alles in allem ein sehr hochwertiges Material.

Wie schneidet die Hanfpflanze in Puncto Nachhaltigkeit ab? Kannst du uns hier einige Eckdaten zur Ressourceneinsparung gegenüber konventionellen Materialien geben?

Na klar, die wichtigsten Punkte was das Angeht sind der Wasserverbrauch und die benötigte Fläche:

Der Wasser-Fußabdruck von konventionellen Baumwollfasern liegt bei 10.000 Liter/kg, Hanf braucht nur 2.719 Liter/kg, also in etwa ein Viertel und muss deshalb im Normalfall nicht künstlich bewässert werden.

Zudem können auf der gleichen Anbaufläche mit Hanf 250% mehr Fasern gewonnen werden als Baumwolle und sogar 600% mehr als Leinen. Das ist vor allem wichtig, da so mehr Anbaufläche für Lebensmittel zur Verfügung steht.

Darüber hinaus braucht Hanf üblicherweise keine Pestizide, und hat generell einen positiven Einfluss auf die Erde auf der er angebaut wird. Im Gegensatz dazu ist konventionelle Baumwolle alleine für 16% der weltweit eingesetzten Pestizide verantwortlich.

Bild: MÁ Hemp Wear

Viele dieser positiven Eigenschaften kommen, unter anderem, durch seine langen Wurzeln und schnelles Wachstum.

Langfristig ist Kleidung aus Hanf auch ressourcenschonend, da sie durch ihre starken Fasern besonders langlebig ist. Das kommt daher, dass Hanffasern aus dem Stamm der Pflanze gewonnen werden und zu den stärksten natürlichen Fasern gehören.

Nun zu den Kollektionen von MÁ Hemp Wear. Beschreib einmal konkret euer Design und worauf ihr besonders Wert legt.

Unser Design baut auf unserer eigenen Auffassung von schöner Ästhetik auf. Für uns ist Mode schön, wenn man sieht, dass sie mit Mühe und Liebe designt ist ohne aufdringlich zu sein. Wir suchen stets nach cleveren Details die einen die Augenbrauen hochziehen lassen, die einem vielleicht erst auf den zweiten Blick auffallen. So haben wir meist dezente Logoaplikationen, funktionale Details und aufwendige Verarbeitungen anstatt auffälliger Elemente und Verzierungen. Ich bin gebürtiger Däne und bin mit dem Design der Mid-Century Architekten aufgewachsen: Reduziert, Funktional und einfach nur zeitlos geil. Mit dieser Designphilosophie arbeiten wir bei MÁ Hemp Wear.

Was ist MÁ Hemp Wear neben der Verwendung von Hanf noch wichtig in Puncto Nachhaltigkeit?

Ich habe die Marke hauptsächlich wegen der nachhaltigen Eigenschaften des Hanfes gegründet. Es ist für mich deshalb ganz selbstverständlich in allen Bereichen des Geschäfts auf Nachhaltigkeit zu achten. In manchen Bereichen muss man leider Kompromisse eingehen, zum Beispiel im Transport der Waren kann man nicht auf Containerschiffe und LKWs verzichten, aber in vielen Bereichen machen wir uns Extraarbeit um den Weg nachhaltiger zu bestreiten.  Bei unserer Kleidung achten wir auch über den Hanf hinaus darauf, dass alle Aspekte so nachhaltig wie möglich sind: Zum Hanf wird nur Bio-Baumwolle beigemischt, wir verwenden Synthetikfasern nur dort wo nicht anders möglich z.B. Reißverschlussbänder, Ärmelbündchen u.a.), färben nach GOTS Standard ein, lassen unter fairen Bedingungen in Europa nähen uvm.

Darüber hinaus verpacken wir gänzlich plastikfrei, versenden Pakete mit DHL GoGreen, betreiben unser Büro mit Ökostrom, geben Plastikmüll an einen Recyclingpionier weiter etc. Wir haben sogar aus den Stoffresten unserer Produktion Papier herstellen lassen!

Bild: MÁ Hemp Wear

Aber wenn das alles gesagt ist, ist es am Ende immer noch der Hanf, der MÁ Hemp Wear zu einem wahren Champ in Sachen Nachhaltigkeit macht.

Gibt es bei der Pflege von Hanfkleidung etwas Bestimmtes zu beachten?

Unbedingt! Man beachte, dass Hanf ein UNKOMPLIZIERTES Material ist was Pflege angeht. Tatsächlich wird Hanf durch Tragen und Waschen mit der Zeit schmiegsamer und weicher. Er kann ganz normal gewaschen und gebügelt werden.

Wenn man T-Shirts und Sweatshirts schnell schleudert, weiten sie sich ein wenig aus und Strickware aus Hanf muss im Handwaschgang gewaschen werden aber das ist bei den meisten anderen Materialien auch der Fall.

Wie langlebig ist die Kleidung aus Hanf bzw. hält sie genau so lang wie herkömmliche Kleidung?

Kleidung aus Hanf hält meistens sogar noch länger! Wie schon erwähnt, hat Hanf den höchsten Zugwiderstand aller natürlicher Fasern welches Hanfteile sehr langlebig macht. Man muss sich vorstellen, dass obwohl Hanf dieses unglaublich angenehme Tragegefühl auf der Haut hat, er ein richtiger Kraftprotz ist, was die Faser angeht. Nicht umsonst wurde Hanf früher in der Schifffahrt für Segel und Taue eingesetzt – Anwendungen, die extremen Kräften ausgesetzt sind.

Gibt es etwas, das euch noch an der Produktion eurer Hanfbekleidung stört?

Ja, es gibt einige Sachen, die noch besser laufen könnten. Zum Beispiel sind wir als Designer und Vertrieb von Hanfkleidung auf die Hersteller von Hanfstoffen angewiesen. Diese Produktion findet bis jetzt nur in sehr kleinem Maßstab statt, welches bedeutet, dass es noch viel unausgeschöpftes Potential für Vielfalt, regionalerer Produktion, Preis etc. gibt. Ich finde es aber eine schöne Vorstellung, als Hanflabel zur Nachfrage nach den Stoffen beizutragen und dadurch Anreize für die Weiterentwicklung zu geben.

Gleichermaßen stört es, dass unsere Produktionskette zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht CO2 neutral ist. Wir können und werden in Zukunft mehr CO2 kompensieren können, aber der wahre Dorn im Auge ist, dass die Transportbranche und der Strombedarf der Industrie immer noch zu einem großen Teil von fossilen Brennstoffen bedient werden. Entwicklungen in Richtung CO2-freie Alternativen sind in diesen Bereichen aber zum Glück schon in der Entwicklung.

Ansonsten sind wir aber viel mehr stoked darüber, dass wir coole Teile aus Hanf herstellen und diese von unseren Kund*innen und Fans gefeiert werden 🙂

Vielen Dank für das Interview, lieber Ulrik!

Dir schwebt nun auch noch eine Frage im Kopf herum, die du gerne an MÁ Hemp Wear stellen möchtest?

Dann schreib sie in die Kommentare – wir freuen uns auf den Austausch mit dir!

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