Modisch und stylisch statt klassisch und „öko“ – Ein nachhaltiger Concept Store, der groß rauskommt

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Style afFAIRe hat für jeden das Richtige auf Lager. Ob für die Businessfrau oder den gemütlichen Opi – stylisch & angesagt ist dieser faire Concept Store allemal.

Um sich von den eher „klassischen“ ökologischen Läden abzugrenzen, gründete Barbara Rongenden ihren Laden style afFAIRe in Tübingen. Hierbei ist nicht ohne Grund das FAIR großgeschrieben. Barbara achtet sowohl auf den angesagten Mode-Trend als auch auf eine faire und ethische Modeauswahl innerhalb ihres Stores. Wie man sich von der kleinen, stylischen Fair-Fashion-Boutique in einen angesagten Onlineshop verwandelt, verrät dir Barbara Rongen im heutigen Interview.

Nachhaltige-Mode.de: style afFAIRe ist ein grüner concept store, den man sowohl in Tübingen selbst, als auch im Web findet. Bitte stellen Sie uns Ihren Store doch einmal kurz vor.

Barbara Rongen, Geschäftführerin von style afFAIRe: Im Spätherbst 2013 habe ich mit einer Freundin (Modedesignerin) gemeinsam in einem kleinen Laden in der Altstadt eine kleine Boutique eröffnet. Schon damals war das Motto: Alles möglichst modisch und, wie der Name schon sagt, sehr „stylisch“ auszurichten und sich somit von den vorhandenen „klassischen“ ökologischen Läden in Tübingen abzugrenzen. Geboren wurde die Idee während meiner Tätigkeit als Projektleiterin bei der Agentur für Klimaschutz in Tübingen, wo im Rahmen meiner Workshops und Klimaschutzveranstaltungen beim Thema Nachhaltigkeit oft Fragen zu ökologischer Bekleidung gestellt wurden. Insbesondere eine große Hilflosigkeit und Ahnungslosigkeit war zu diesem Thema spürbar.
Egal ob SchülerInnen oder deren Lehrer oder Eltern – niemand hatte eine echte Alternative für H&M und Co. Parat.

Ich habe dann eher aus eigenem Interesse die wichtigste Messe, damals noch mit dem Namen „Ethical Fashion Week“, im Rahmen der normalen „Fashionweek“ in Berlin besucht. Ich war von der progressiven Vielfalt, der freundlichen Grundstimmung, der Solidarität und dem Engagement der dort vertretenen Brands und der Szene begeistert. Im Anschluss wusste ich: ich möchte einen eigenen Laden eröffnen und dieses Vakuum in der grünen Stadt TÜ schließen – und so ging dann alles relativ schnell. Der nächste Schritt wurde 2017, wieder im Herbst, gewagt, wo wir (damals gemeinsam mit zwei weiteren, neuen Frauen) uns von der Fläche verdreifachten und an einen, wie sich nun zeigt, strategisch noch besseren Platz innerhalb der Altstadt umgezogen sind. Seit Anfang diesen Jahres bin ich alleinige Geschäftsführerin und Inhaberin, was dem Geschäfts-Modell im Ganzen scheinbar gut tut – „eine Köchin“ macht wohl wirklich den schmackhafteren Brei, wie man so schön sagt. 

Barbara Rongen, Geschäftführerin von style afFAIRe

Wie ist das Sortiment bei style afFAIRe aufgebaut?

Der rote, oder sagen wir lieber grüne ;), Faden, der sich durch unser ganzes Sortiment zieht, ist mit dem Thema Nachhaltigkeit unterlegt. Ökologische Themen liegen mir ganz besonders am Herzen, aber natürlich auch die sozialen Aspekte der Produktion und des Anbaus der Rohstoffe sowie, wo immer möglich, Regionalität und natürlich persönliche Erfahrungen, spielen eine große Rolle. Schon im kleinen Laden zeichnete sich ab, dass wir sowohl für die Studierenden als auch Kinder, sowie für die Business Frau oder den gemütlichen Opi was auf Lager haben sollten. Bis heute führen wir daher sowohl Kinder als auch Damen- und Herren-Oberbekleidung, Schuhe, Taschen, Accessoires. Stück für Stück kommen immer mehr „kleine Dinge“ als Add-ons hinzu, die das Leben vereinfachen oder versüßen dürfen: Geschenke, Schönes für die Wohnung, Genussmittel, Parfums…

Nach welchen Kriterien wählen Sie die vertretenen Marken und Designs aus?

Hauptsächlich kaufe ich auf der Neonyt ein. Das ist die große grüne Fashion-Messe, die gerade ganz aktuell von Berlin nach Frankfurt zieht. Weiterhin kaufe ich auf auch auf der Innatex bei F, DER Order- und Fachmesse ein. Hier werden die Nachhaltigkeitskriterien etc. von deren Kuratorien bereits vorgeprüft, sodass man da relativ entspannt reingehen kann. Des Weiteren besuche ich kleine, besondere, regionale Messen zu den Themen Nachhaltigkeit, Do it yourself, Regionales und Kunsthandwerk. Wenn ich dort etwas Geeignetes entdecke, recherchiere ich selber und gehe ins tiefere Gespräch mit den Eigentümer*innen. Dann passiert viel über Empfehlungen, was natürlich auch eine Vertrauenssache ist. Hinzu kommt eben immer Recherche und die eigene Erfahrung, also auch ein Bauchgefühl. Wenn Brands auf einen in der Kalt-Akquise zukommen, was tatsächlich täglich per E-Mail, Telefon, Social-Media oder sogar im Laden physisch passiert, ist es auch an mir, entsprechend zu recherchieren. Inzwischen habe ich einen reichen Strauß an Kenntnissen, Netzwerken, Werkzeugen/Literatur und Erfahrungen und bin ganz gut aufgestellt, würde ich sagen…

Wie würden Sie Ihren Beitrag zu einer nachhaltigeren Modewelt beschreiben?

Hm, unser Laden soll eine Zwischenstufe auf der „Leiter der Bewusstseins-Entwicklung“ (siehe bei uns das Logo-Motto „Fashion with Conscience“!) in Richtung Nachhaltigkeit sein. Wir bieten also Alternativen zum Konventionellen. Natürlich wäre das Ziel, dass wir alle im Konsum-Verzicht landen, aber wir sind defacto noch weit davon entfernt und brauchen jede Unterstützung auf dem Weg dahin. Dafür möchte ich da sein. Und ich liebe das schöne, schmückende, unterstreichende Etwas – wie es in der Natur der Fall ist. Das macht mir selbst so große Freude. Die Erde ist so ein wundervoller Lebensraum für uns, wir sind nur ein klitzekleiner Mitbewohner in dieser großen Familie der Erden-Bewohner. Es macht mich zutiefst traurig zu sehen, wie wir unsere Mutter Erde ausbeuten und unsere Mitgeschöpfe quälen und benutzen. Auch wenn ich nur einen kleinen Beitrag leiste, dem entgegenzuwirken, so ist dieser Beitrag doch für mich inzwischen elementar, um abends in den Spiegel schauen zu können.

Barbara vor ihrem Shop

Ich komme ursprünglich aus der Wirtschaft und war bei „der“ deutschen Bank im Anlagemanagement – ich hatte damals mit sehr lieben Menschen zu tun und war in einem super Team, aber die Leere, ja diese Sinnlosigkeit Letztenendes, meiner Tätigkeit dort, war für mich nicht mehr auszuhalten. Und so ging ich mit Ende 20. Zum Glück! Letztendlich ist es bei den Groß-Banken ja alles noch viel schlimmer gekommen… Es wäre eine furchtbare Arbeit für mich, wenn ich noch dort wäre. Ich glaube ich wäre innerlich gänzlich verkümmert! Nun ist „nur“ mein Kapital verhältnismäßig sehr verkümmert, aber das ist doch viel weniger bedeutend, als wenn es die Seele wäre, nicht wahr? 😉

Stichwort Diversity: Wie geht style afFAIRe als Conceptstore darauf ein?

Oh, bei uns ist glaube ich fast alles vertreten! Jegliche sexuelle Einstellungen, Gender-Typisierungen, wenn man das so nennen möchte, verschiedene Nationalitäten, Glaubensrichtungen. Aber das ist alles nur zweitrangig. Wir sind ein ziemliches Herzensteam und schwingen alle gemeinsam am besten. Sehr glücklich sind wir über unsere Mitarbeiterin Asiya, die als Geflüchtete schon im kleinen Laden bei uns als Aushilfe begann. Anschließend machte sie eine anspruchsvolle Ausbildung zur IT-Kauffrau, bestand diese, trotz der Sprach-Probleme, letztes Jahr, mit Bravour. Als Krönung bekam sie, nach vielen gesundheitlichen Folgeproblemen der Flucht, tatsächlich mit ihrem Mann ein wunderbares, gesundes Baby. Sie kommt jetzt diesen Herbst langsam wieder in den Laden zurück und wir freuen uns zutiefst, dass sie auch eine echte Freundin geworden ist. Integration funktioniert hier ganz natürlich und wunderbar.

Ist style afFAIRe eher regional ausgerichtet? Liefern Sie auch ins Ausland?

Ja, schon vor Corona hatten wir mittelfristig im Entwicklungsplan den Onlineshop avisiert. Diesen haben wir dann während der Covid19-Schließung vorgezogen und rasch auf die Beine gestellt. Theoretisch können wir die ganze Welt beliefern. Praktisch ist da momentan gar nicht die Nachfrage da. Wir verkaufen stationär bzw. liefern deutschlandweit, auch mal nach Österreich, aber insbesondere natürlich eher in den Tübinger Raum. Derzeit hoffen wir, dass sich die Investitionen in den Onlineshop rentieren und dann zunehmend mehr Lieferungen auch außerhalb unserer eigenen „Kundenblase“ generiert werden können. Das ist schlicht und ergreifend die Zukunft. Froh bin ich doch über mein gutes Netzwerk, wodurch ich nun schon bei zwei innovativen digitalen Projekten Teil sein darf und bin gespannt auf die Entwicklungen.

Welche Pläne hat style afFAIRe für die kommende Zeit?

a) Wieder mehr in Struktur und in die Ruhe kommen, uns einerseits auf das Kerngeschäft konzentrieren zu können und dieses stetig zu verbessern, andererseits aber strategisch den Onlineshop/Digitale Formate auszubauen und zu justieren,  sodass wir hier resilienter gegenüber etwaigen lokalen Umsatzschwankungen /Problemen werden. 

b) Aber: Ich möchte auch noch mehr in die Bewusstseinsbildung meine Zeit investieren. Ich kann Menschen gut begeistern und mitziehen, bin sehr kommunikativ und liebe Gesellschaft und ich denke hier liegt eine Stärke, auch z.B. im Netzwerken, die genutzt werden sollte. Seit zwei Jahren bin ich im Vorstand des örtlichen Handels- und Gewerbevereins und in diversen Taskforces/ Gruppen / AGs auch der Stadt zu Themen wie zum Beispiel Stadt-Entwicklung. Das macht mir große Freude und bringt mir eine gewisse Befriedigung im Großen und Ganzen neben der relativ einseitigen Tätigkeit im Laden.

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