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„One garment at a time“ – die Modebranche Stück für Stück verändern

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INTERVIEW | Nachhaltige Designs, die Kleidungsstück für Kleidungsstück in Zero-Waste-Produktion und aus natürlichen Stoffen gefertigt werden

Grünes Licht für die Modewelt mit der Wertschöpfung jedes einzelnen Kleidungsstücks. Natürliche Materialien, lokale Produktion und eco friendly – das sind die Maßstäbe bei UNRAVELAU. Von der Inspiration, ein eigenes Fair-Fashion-Label zu gründen, bis hin zur Motivation, die Modeindustrie nachhaltig zu verändern. Gründerin Laura Meijering erzählt die Geschichte ihrer nachhaltigen Mode Marke. Worauf sie bei der Produktion wert legt und welche Botschaft sie ihren Kund*innen mitgibt, erfährst du im Interview.

Nachhaltige-Mode.de: Laura, bitte stell uns kurz deine Marke UNRAVELAU vor.

LAURA MEIJERING: UNRAVELAU ist ein nachhaltiges, high-end Modelabel, das ich 2017 nach meinem Bachelorabschluss in Modedesign gegründet habe.
Der Name setzt sich zusammen aus dem englischen Verb “(to) unravel”, was so viel wie “entwirren” bedeutet, und den Anfangsbuchstaben meines Namens: Lau.
Mit UNRAVELAU versuche ich die Modeindustrie zu “entwirren” und dabei die positiven Seiten zum Vorschein zu bringen, während ich die negativen Teile zurücklasse. Das erreiche ich durch mein Design, aber auch dadurch, dass ich meine potenziellen Kunden und Kundinnen ​über die​ soziale Ungerechtigkeit und Umweltschäden aufklären, die durch Fast Fashion verursacht werden.
Durch UNRAVELAU möchte ich mit umweltbewussten Entscheidungen ein Beispiel setzen und unsere Kunden und Kundinnen ​dazu inspirieren, das gleiche zu tun.

Wie kamst du auf die Idee, ein Ecofashion-Label zu gründen?

fair Fashion Zero waste
Valtteri Nevalainen (Fotograf), Enrika Stan (Model)

Die Idee ist mir gekommen, nachdem ich 2015 den Dokumentarfilm “The True Cost” gesehen habe. In dieser Dokumentation wird enthüllt, welchen Preis die Umwelt und die Arbeiter*innen in der Modeindustrie für den extremen Konsum bezahlen müssen. Nachdem ich das gesehen habe, habe ich mich persönlich als Modedesignerin dafür verantwortlich gefühlt, etwas gegen diese Missstände zu unternehmen. Ich habe UNRAVELAU gegründet, um Konsumenten und​ Konsumentinnen eine Alternative zu Fast Fashion zu bieten und ein Bewusstsein für die​ negativen Auswirkungen der Modeindustrie zu schaffen.

Dein Ziel ist es, die Modeindustrie zu verändern, „ein Kleidungsstück nach dem anderen“. Wie genau möchtest du dieses Ziel erreichen?

Als Besitzerin eines Modeateliers ist es mein Ziel, so umweltfreundlich wie möglich zu sein. Das passiert nicht über Nacht, aber mein Team und ich arbeiten jeden Tag daran, diesem Ziel näher zu kommen. Deshalb ist jede Entscheidung die wir treffen gründlich überlegt.
Indem ich alles daran setzen, so nachhaltig wie möglich zu sein, will ich Konsumentinnen und Konsumenten dazu inspirieren, dies auch zu tun. 
Um eine strukturelle Veränderung in der Modeindustrie zu bewirken, reicht es nicht aus, nachhaltige Produkte anzubieten. Es muss sich auch etwas in den Köpfen der Menschen verändern. Deshalb ist es mir wichtig, durch Weiterbildung ein Bewusstsein für die Problematik​ dieser Branche zu verschaffen. Mit Quizzes und Vorlesungen kläre ich über die negativen Aspekte​ der Modeindustrie auf und bringen Kindern und Schülern schon in einem jungen Alter bei, wie sie zur Gestaltung einer nachhaltigeren Modeindustrie beitragen können.

Wie schaffst du es, eine Zero-Waste-Produktion durchzuziehen?

Das geschieht in zwei Schritten. Schon bei der Auswahl von Materialien versuche ich, so viel wie möglich mit bereits vorhandenen Textilien zu arbeiten. Deshalb arbeite ich mit dem Upcycle Center in Almere zusammen, wo sich auch mein Atelier befindet. Dort können Anwohner jegliche Art von ungewollten Textilien abgeben, von Vorhängen bis zu Jeans.
Der zweite Schritt ist dann die Produktion. Ich versuche so wenig Abfall wie möglich zu produzieren, indem ich bei meinen Designs mit Zero-Waste-Mustern arbeite. Jedes Schnittmuster ist hierbei wie ein Puzzle, das auf die Breite des Stoffes begrenzt ist. Damit kann erreicht werden, dass die gesamte Stofffläche verarbeitet wird und am Ende keine Reste übrig bleiben.

Mit welchen nachhaltigen Materialien arbeitest du am liebsten?

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Valtteri Nevalainen (Fotograf), Enrika Stan (Model)

Für meine Kleidungsstücke verwende ich ausschließlich bereits gebrauchte Textilien und natürliche Materialien mit zertifiziert organischem Ursprung. Mit diesen Materialien arbeite ich am liebsten, weil sie der Umwelt nicht schaden und ich noch hochwertige Stoffe davor bewahren kann, im Müll zu landen. Auf diese Weise schaffe ich exklusive Kleidungsstücke, die für unseren Planeten nicht schädlich sind. Da sich das UNRAVELAU-Atelier im Upcycle Center von Almere befindet, wo Menschen ihre aussortierten Gegenstände abgeben können, habe ich direkten Zugang zu vielen gebrauchten Textilien, die ich wiederverwenden und upcyclen kann. 
Upcycling bedeutet in diesem Fall, dass ich für meine Kleidungsstücke bereits vorhandene Stoffe verwenden – zum Beispiel bereits getragene Kleidung. Klingt eklig? Ist es aber nicht, versprochen!​ Bei meiner ersten Zusammenarbeit mit dem Upcycle Center habe ich viel zerschlissene und schmutzige Kleidung erwartet. Stattdessen fand ich hauptsächlich neue Kleidungsstücke in beinahe perfektem Zustand – einige sogar noch mit Preisschildern!

Nach dem Sortieren und Waschen der abgegebenen Kleidung stelle ich sicher, dass jeder Artikel vollständig wiederverwendet und in ein neues schönes, einzigartiges Produkt verwandelt wird! Jeder neue Stoff den ich verwende und der nicht aus „upcycled materials“ besteht, ist natürlichen Ursprungs, biologisch abbaubar und wird unter fairen Arbeitsbedingungen hergestellt.
Es ist mir sehr wichtig, genau zu wissen, welche Materialien ich bei der Produktion einerKollektion verwende. Deshalb verbringen mein Team und ich viel Zeit mit Recherche bevor eine Entscheidung getroffen wird. Nur wenn ich mir zu 100 Prozent sicher bin, dass ein Material die beste Wahl ist und meinem Standard entspricht, verwenden ich es für meine Kleidungsstücke.
Die Materialien, mit denen ich arbeite, sind tierfreundlicher Ahimsa-Seide, Tencel, Hanf, Leinen und Bio-Baumwolle.  

Können Runway-Shows umweltfreundlich gestaltet sein?

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Valtteri Nevalainen (Fotograf), Jody Rouwenhorst (Model)

Ja, ich denke das ist möglich. Zwei Beispiele dafür sind die Helsinki Fashion Week und Neonyt in Deutschland. Wichtig ist, dass die Kollektionen die präsentiert werden selbst nachhaltig und umweltfreundlich produziert wurden. Man könnte die Show im Freien veranstalten, wie Jacquemus, wo keine künstliche Beleuchtung notwendig ist. Wenn zusätzlich die Show von

Livemusik begleitet wird statt durch Lautsprecher, kann man eine Menge Energie sparen. Da Runway-Kollektionen meist exklusiver sind, könnten diese im Anschluss verkauft werden, wobei ein Teil des Profits and die Unternehmen ginge, um sie in ihrem nachhaltigen Schaffen zu unterstützen und der Rest and an Initiativen gespendet würde, die sich für die Umwelt einsetzen. Man könnte die präsentierten Kollektionen aber auch vermieten, so dass mehrere Menschen die luxuriösen Kleidungsstücke genießen können​.​
Um Runways nicht nur umweltfreundlicher sondern auch inklusiver zu gestalten, wäre es schön mehr Models of Color und verschiedener Konfektionsgrößen auf dem Laufsteg zu sehen.​          

Worauf können UNRAVELAU und du sich in Zukunft freuen?

Ich glaube, dass die Modeindustrie kurz vor einer Revolution steht. Vor allem in den letzten Monaten wurden durch die Corona-Pandemie einige Missstände aufgedeckt, was dazu geführt hat, dass nachhaltige Initiativen, die sich für eine strukturelle Änderung der Branche einsetzen, mehr in den Fokus der Aufmerksamkeit gerückt sind. Die Menschen müssen endlich verstehen, dass es so nicht weitergehen kann. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir große Veränderungen in den kommenden Jahren erwarten können ​und bin stolz, Teil dieser Bewegung zu sein. Mein Team und​ ich werden nicht aufhören, gegen Umweltschäden und die soziale Ungerechtigkeit anzukämpfen, die durch die Modeindustrie verursacht wird.


Ein Beitrag von: Marlit Kumpf
Symbolbild: Giusy de Ceglia (Fotograf), Miisa Paulamaki (Model)

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