INTERVIEW | Du bist auf der Suche nach neuen nachhaltigen Schuhen und möchtest mehr über Natur- und Recylingmaterialien wissen? Dazu haben wir uns mit Doghammer unterhalten.

Zu klein, zu eng, zu groß, hält nicht warm genug, wasserabweisen, bequem, schön,… Die Liste der Kriterien, nach denen wir uns Schuhe aussuchen, kann endlos lang sein. Gerade für Freizeitaktivitäten, wie das Wandern, ist ein festes Schuhwerk nur von Vorteil.
Doghammer bietet dir Outdoor Schuhe und Nachhaltigkeit in einem! Sie recyceln Kork und stellen damit praktische luftige Schuhe aus natürlichen Materialien her. Wie PET Flaschen zu deinen neuen Wegbegleitern werden können, kannst du hier im Interview mit Sandra, Marketingassistentin bei Dogahammer, erfahren.

Nachhaltige-Mode.de: Erzähl uns doch einmal, welche Idee hinter DOGHAMMER steckt und wie wurde sie ins Leben gerufen?

Sandra: Die Idee von Doghammer ist es, einen funktionellen Schuh herzustellen, der einen möglichst kleinen negativen Impact auf Mensch und Umwelt hat. Angefangen haben die zwei Freunde und Gründer mit einem outdoortauglichen Zehentrenner, weil sie sich bei ihren Bergtouren immer nach einer luftigen und dennoch robusten Sandale gesehnt haben. Mittlerweile befinden sich auch nachhaltige Wanderschuhe, ökologische Hausschuhe und urbane Sneaker in unserem Shop , welche aus Natur- und Recyclingmaterialien bestehen.

Welche Bedeutung versteckt sich hinter eurem Markennamen DOGHAMMER?

Maximilians Nachname ist Hundhammer, mal eben ins Englische übersetzt und schon hatten die Gründer den Namen unseres Start-ups 😉

Ihr nutzt Kork zur Produktion eurer Schuhe – Warum Kork?

Die Outdoorbranche greift für Funktionalität oft auf chemisch behandelte Materialien zurück. Wir haben uns gefragt, ob das wirklich sein muss und haben nach langer Recherche unser Lieblingsmaterial Kork entdeckt. Kork hat sowohl mit seinen natürlichen Eigenschaften als auch im Anbau und der Ernte so viele Vorteile für Mensch und Natur. Im Schuh ist er wasserabweisend, temperaturregulierend und flexibel. Für die Tierwelt dienen Korkeichen als Lebensraum und das Ernten der Rinde für die Korkproduktion führt dazu, dass der Baum nach Schälung 3-mal mehr Co2 bindet als eine ungeschälte Korkeiche. Viele denken bei Kork an Pinnwände und wissen kaum, dass diese natürliche Ressource so viel mehr zu bieten hat.

Wie wird der Kork produziert, wo kommt er her und wie verarbeitet ihr ihn zu einem Schuh?

Wir beziehen unseren Kork von Korkeichen aus Portugal, die nicht weit von unserer Schuhmanufaktur wachsen und bearbeitet werden. Nachdem die Bäume geschält sind, wird die Rinde zu Korkgranulat zerkleinert. Daraus kann durch verschiedene Produktionsarten unterschiedlicher Kork entstehen. Brüchige Korkplatten für Pinnwände oder eben flexibles Obermaterial für Schuhe. Außerdem findet man Kork bei uns noch in unserer Laufsohle, die aus alten Weinkorken und recyceltem Gummi besteht.

Halten denn Korkschuhe überhaupt auch warm und sind sie wasserabweisend?

Kork hat von Natur aus eine antibakterielle und temperaturregulierende Funktion und sorgt so für angenehmes Fußklima. Für unsere Winterkollektion unterstützen wir den Kork im Obermaterial mit einem warmen Innenfutter aus Wolle. In der veganen Version greifen wir da auf einen Filz aus recycelten PET-Flaschen zurück.

Sind alle Materialien die ihr benutzt tatsächlich recyclebar und recycelt?

Für unsere Schuhe nutzen wir sowohl Naturmaterialien wie Kork, Wolle, Leinen & Co als auch Recyclingmaterialien wie alte Weinkorken, Meeresplastik oder Produktionsabfälle. Mit jeder Kollektion versuchen wir unsere Produkte noch nachhaltiger zu gestalten. Dazu gehört für uns das vermehrte Verwenden von recyclefähigen Materialien. Hierzu haben wir im Jahr 2020 das Projekt “Cork Collect” ins Leben gerufen, bei dem wir Korkensammelboxen aufgestellt haben, mit denen alte Weinkorken entsorgt werden konnten. So haben wir im vergangenen Jahr ganze 250 kg Korken gesammelt, welche sich anschließend auf den Weg zurück in die Produktion gemacht haben und dort zu neuem Sohlen- und Obermaterial unserer Schuhe verarbeitet wurden. Außerdem haben wir auch einige Kooperationspartner für Upcyclingprojekte mit ins Boot geholt. Mit Verschnittresten der Skisteigproduktion von Herstellern wie Contour oder Kästle aus Österreich konnten wir eine Upcycling Version unserer Hüttenschuhe launchen. Gemeinsam mit der Marke NEWSEED aus Rosenheim entstand so eine Sandale mit einem Riemen aus Kletterseilresten. Wir achten also darauf, dass unsere Materialien, wenn nicht schon recycelt wurden, recycelfähig sind.

Welche Materialien eignen sich noch gut zum Recyceln?

Das kommt ganz drauf an, über welche Funktionen das Material anschließend verfügen soll. Wir arbeiten hauptsächlich wie oben beschrieben mit Kork, Meeresplastik, Baumwolle oder Kletterseilen und Resten der Skifellherstellung. Aus Meeresplastik kann aber nicht nur eine Art Material hergestellt werden, hier gibt es wiederum super unterschiedliche Macharten und Strukturen. Für uns bei Doghammer ist die Funktionalität unserer unterschiedlichen Einsatzbereiche ausschlaggebend bei der Wahl der Materialien.

Wo ist eigentlich der genaue Unterschied zwischen Recycling und Upcycling Produkten, wie zum Beispiel in Bezug auf Schuhe?

Bei Recyclingmaterialien kann der Zustand des Stoffes geändert und neu zusammengesetzt werden. Ein Beispiel hierfür sind eben Weinkorken oder PET-Flaschen. Die Abfallprodukte werden erst zerkleinert und können dann in verschiedene neue Formen gebracht werden. Weinkorken werden so zu einem Granulat zersetzt und dann in der Sohle eingesetzt oder aber zu einem zusammenhängenden Material verarbeitet. Auch PET-Flaschen können verschiedene Formen annehmen. Wir nutzen das Meeresplastik in Form eines Filzes als Wollfilzersatz und arbeiten gerade aber auch an anderen Versionen

Nach welchen Vorbildern designt ihr die DOGHAMMER Schuhe?

Unsere Idee entsteht schon von Beginn an aus unseren eigenen Bedürfnissen. Angefangen bei einer outdoortauglichen Sandale entwickeln wir unsere Produkte nach eigenem Geschmack und gemeinsam mit Freunden, Familie und unserer wachsenden Community in den sozialen Netzwerken. Natürlich verfolgen wir auch immer, was auf dem nachhaltigen Markt so los ist, im Outdoorbereich bewegen wir uns mit unseren ökologisch verantwortungsvollen Produkten aber ganz klar in einer Nische. So haben wir ziemlich viel Spielraum und müssen uns nicht an Konkurrenzprodukten orientieren. Den einzigen Rahmen, den wir uns selber setzen, ist eine verantwortungsvolle Produktion gegenüber Mensch und Umwelt und so richten sich unsere Produkte ganz klar an die Möglichkeiten und Materialien, die die Schuhbranche gerade zu bieten hat und probieren hier selber immer wieder neue Materialien aus.

Ihr habt nachhaltige Zustiegsschuhe, Outdoor Zehentrenner und vegane Sneaker – worin unterscheiden sich die Schuhe (abgesehen vom Design)? Sind nur die Sneaker Vegan?

Wir haben unseren Ursprung in der Outdoorbranche. Aber auch dort gibt es unterschiedliche Einsatzgebiete und auch wir sind im Alltag eher urbaner unterwegs. Unser Sortiment ist demnach so aufgebaut, das für jedes Einsatzgebiet das passende Modell dabei ist. Egal ob in der Stadt, auf Reisen oder in den Bergen unterwegs, bei unseren Schuhen ist für jeden ein treuer Begleiter dabei. Außerdem gibt es jedes Modell von der Sandale bis zum Zustiegsschuh auch in einer veganen Variante.

Für dieses Jahr habt ihr eine Upcycling Challenge – wer und wie kann man teilnehmen?

Die Upcycling Challenge ist die Verlängerung unseres “Cork Collect” Projekts vom letzten Jahr. Neben der Ausweitung unserer Kooperationspartner im Thema Upcycling haben wir es uns 2021 zum Ziel gesetzt, 1 Tonnen Korken zu sammeln. Jeder wird dazu aufgerufen, gemeinsam mit uns Weinkorken zu sammeln. Dieses Jahr setzen wir sogar noch mal eins drauf und Spenden für jedes Kilo Korken 1 € an die Alpenschutzkommission CIPRA, die sich für den Erhalt der Alpenregion und zum Schutz der Pflanzen und Tierwelt einsetzt. In unserem Storefinder sind unsere Korksammelstellen aufgelistet und es werden jeden Tag mehr. Außerdem können auch Privatpersonen uns ihre Korken kostenfrei zusenden. Um unnötige Logistikwege zu vermeiden, nehmen wir hier Pakete ab 10 kg an.

Wie erreicht ihr die Menschen und neue Kund*innen?

setzen vor allem seit dem ersten Lockdown und die Schließung der Einzelhändler ganz stark auf Social Media. Dort versorgen wir nicht nur unsere bestehende Community mit den neusten Infos, sondern machen auch bei Personen, die uns noch nicht kennen, auf uns aufmerksam. Außerdem können wir so auch unsere Händler super gut mit Aktionen oder Teilen der Beiträge unterstützen, solange sie geschlossen haben. Auf unserer Website bieten wir auch Beratungsvideos und Anleitungen an. Man erreicht uns aber auch ganz “oldschool” per E-Mail oder Telefon.

Und für die kommenden Jahre – was ist eure Vision?

Auf jeden Fall wollen wir unsere Philosophie weiter in die Welt tragen und das Bewusstsein der Menschen für nachhaltige Materialien stärken. Außerdem entstehen durch regen Kontakt mit unserer Community sicherlich neue Modelle, die auf die individuellen Bedürfnisse der heutigen Zeit angepasst sind. So ist zum Beispiel auch unser Fahrrad Sneaker “Commuter” entstanden, weil sich unsere Community in Umfragen einen Schuh fürs Biken gewünscht haben.

Vielen Dank für das Interview, Sandra!

Dir schwebt nun auch noch eine Frage im Kopf herum, die du gerne an Doghammer stellen möchtest?

Dann schreib sie in die Kommentare – wir freuen uns auf den Austausch mit dir!

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