INTERVIEW | Vegan, biologisch, fair und mit ganz viel Persönlichkeit hergestellt – so beschreibt Aline ihr nachhaltiges Fashionlabel für Yoga- und Sportbekleidung. Was alles hinter der Marke steckt, und wie ein Familienprojekt zum wahren Glück für Gründerin und Kund*innen wurde, erklärt sie uns hier im Interview.

Nachhaltige-Mode.de: Aline, bitte stelle uns die Marke Biyoga einmal kurz und knackig vor.

Biyoga wurde 2017 von mir gegründet, um auf der Welt einen grünen Fußabdruck zu hinterlassen. Biyoga setzt bei allen Produkten mit der GOTS-Zertifizierung bewusst auf den führenden bio und fairtrade-Standard in der Textilbranche. Die Produkte eignen sich optimal für den Freizeit- und Sportbereich und finden ihren Ursprung im Bereich des Yoga.

Wer sind die Familienmitglieder der „Biyoga-Family“ und was tragen sie zur Marke bei?

Zur Biyoga-Familie gehören vor allem mein Mann, meine Eltern und Schwester, aber auch unsere Tiere und Freunde. Eine große Stütze ist mein Mann. Er ist neben Zuhörer, Model und Brainstorming-Partner überwiegend mein Finanzberater. Er ist der „Zahlenmensch“ in unserer kleinen Familie und hilft mir den Überblick zu behalten. Meine Eltern, meine Schwester und ihre Familie sind die Allround-Unterstützer. Sei es Pakete packen, Inventur machen, auf die Hunde aufpassen, mich zu Messen begleiten oder auch als Entscheidungshelfer. So ist das bei den meisten Menschen um mich herum. Viele interessieren sich für das, was ich tue und helfen gerne. So wird aus einem lockeren Treffen auch mal ein lustiges Fotoshooting. Natürlich dürfen dabei die haarigen Familienmitglieder nicht fehlen. Einen Bürotag ohne die eingeforderten Spaziergehpausen kann ich mir schon gar nicht mehr vorstellen. 

Eine Gründung ist eine große Herausforderung. Gründet man allein, ist man wirklich für jede Art von Input dankbar, um einfach einen anderen Blick auf die Dinge zu haben. Die wenigsten Familienmitglieder können dabei ihr Fachwissen einbringen, denn keiner arbeitet im Modebereich oder hat in irgendeiner Form beruflich mit diesen Themen zu tun. Gerade das empfinde ich jedoch als Vorteil, denn Biyoga ist bewusst für jedermann designt und jedermann das sind nun mal auch wir. Diese familiäre Beziehung pflege ich auch mit meinen Geschäftspartnern. Läuft etwas nicht rund, so gehe ich damit ganz offen und ehrlich um. Ich versuche grundsätzlich Beziehungen aufzubauen, die zu einer langfristigen Zusammenarbeit führen, auf die ich mich verlassen kann und andersherum. Die Familie wächst also immer weiter.

Kannst du Biyoga’s Stil in drei Worten beschreiben?

Bequem, natürlich, hochwertig

In welchem Preissegment würdest du deine Artikel einordnen?

Ich ordne meine Artikel in einem mittleren Preissegment ein. Ich finde, faire Biomode sollte auch erschwinglich sein. Natürlich sind die Preise für die Herstellung ein bisschen höher, vor allem für kleinere Labels. Der Preis definiert sich viel über die Stückmengen und aktuell kann ich da mit großen Marken nicht mithalten. Viel Geld für Werbung bleibt dann leider nicht übrig.

Legt ihr Wert auf Nachhaltigkeitszertifikate bei der Wahl eurer Materialien?

Ich habe mich bewusst dafür entschieden, dass alle Biyoga-Produkte GOTS-zertifiziert sein sollen. 

      „GOTS steht für „Global Organic Textile Standard“ und ist weltweit der führende Standard für Bio-Textilien in allen relevanten Märkten. Dabei zertifiziert GOTS ökologisch erzeugte Textilprodukte, die aus mindestens 70% kontrolliert biologisch erzeugten Naturfasern bestehen. GOTS wurde 2002 gegründet, um einerseits dem Wunsch der Textilindustrie nach einem globalen Standard nachzukommen und um gleichzeitig dem Verbraucherwunsch nach Transparenz gerecht zu werden. Neben dem ökologischen Blick mit der Festsetzung von umwelttechnischen Kriterien hat sich die internationale Arbeitsgruppe GOTS auch der sozialen Verantwortung in der Textilproduktion verschrieben. Denn nur wenn es den herstellenden und verarbeitenden Personen in der Textilproduktion gut geht, kann es uns allen gut gehen. Nur wenn die Textilien in einer Landwirtschaft ohne toxische, bleibende Pestizide und Düngemittel hergestellt werden, dann geht es den Textilverarbeitern und der Natur gut, und erst dann können wir als Endverbraucher von einer wirklich nachhaltigen Textilproduktion ausgehen. Mensch und Mensch sowie Mensch und Natur gehen Hand in Hand. Wir alle sind eins, auch wenn wir das immer wieder mal vergessen.“ (aus meinem Blogbeitrag: https://www.biyoga.de/warum-biyoga-auf-gots-setzt-nachhaltigkeit-fuer-natur-und-mensch/)

Als ich noch ganz am Anfang stand und mich mit den verschiedenen Zertifikaten beschäftigt habe, war ich erstmal ganz schön überfordert. Es gibt viele verschiedene Zertifikate und man muss sich beim Einkaufen genau anschauen, was das jeweilige

Zertifikat verspricht. Das fühlt sich ganz ähnlich an wie das Lebensmittelshopping als Veganer. Man verbringt Stunden damit die Zutatenlisten zu lesen und ist am Ende frustriert, weil man nicht sicher ist, ob das Lebensmittel nun vegan ist oder nicht. Das Gefühl möchte ich bei meinen Kunden nicht erzeugen und habe mich daher für Einheitlichkeit entschieden. Zudem wollte ich nicht zwischen Fair oder Bio wählen, sondern ich wollte beides. Genau das bietet der Global Organic Textile Standard, nicht nur für das Endprodukt, sondern für die gesamte Herstellungskette. Die Hersteller, mit denen ich zusammenarbeite, sind zudem Mitglied in der Fair Wear Foundation. Dadurch sollen bessere Arbeitsbedingungen in den Fabriken gewährleistet werden. Meine aktuellen Produkte werden in Portugal gefertigt, wodurch kürzere Lieferwege sowie bessere Arbeitsbedingungen gewährleistet werden können.

Wie kannst du deine persönliche Suche nach dem Glück mit Umweltbewusstsein vereinbaren?

Mittlerweile höre ich von immer mehr Menschen um mich herum, dass ein Job eben nicht mehr nur ein Job ist, um Geld zu verdienen. Es ist viel mehr. Die Lebenszeit ist kostbar, unser Planet ist kostbar, Zeit mit Menschen zu verbringen, die wir mögen und schätzen, ist kostbar. Mit Biyoga kann ich für mich all das vereinen, was mir wichtig ist und mich glücklich macht. Der Weg, den ich davor gegangen bin, war kein schlechter und bereue es auch nicht, aber er hat mir den Blick für das Wesentliche getrübt. Niemals hätte ich in dieser Zeit die Energie gehabt mich wochenlang mit dem Kauf einer GOTS-zertifizierten Jeans zu beschäftigen. Heute ist das für mich eben sehr wichtig. Ich möchte den Menschen zeigen, dass es auch anders geht und anstatt zu belehren, schaffe ich ein Angebot. Ein Angebot, von dem ich persönlich überzeugt bin und das meinen Kriterien entspricht. Es ist bio, fair und vegan. Ich weiß natürlich auch, dass es dabei trotzdem um Konsum geht. Das Angebot von Biyoga ist daher bewusst so gestaltet, dass man die Sachen langfristig tragen kann. Die hohe Qualität, das moderne, jedoch schlichte Design und der Verzicht auf verschiedene Kollektionen sollen dieser Langfristigkeit Sorge tragen. Am Ende des Tages bin ich sehr zufrieden, wenn ich Geld mit etwas verdienen kann, das mich glücklich und stolz macht, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben.

Was kannst du all denjenigen mitgeben, die ihren Traum der Selbständigkeit in der nachhaltigen Modewelt verwirklichen wollen?

Biyoga ist jetzt seit 2 Jahren online und es gab schon einige Rückschritte, aber noch mehr Fortschritte. Man darf sich nicht endmutigen lassen und sollte von vornherein einplanen, dass es alles langsamer vorwärts geht, als man es selbst gerne hätte. Aber wenn man für eine Idee brennt, dann macht es einfach nur sehr viel Spaß diese umzusetzen. Mein Tipp: Mach es einfach!

Weißt du schon, wo die „Biyoga-Reise“ als nächstes hingeht?

Zum Winter möchte ich mein Angebot ergänzen und ein paar super bequeme kuschelige Sachen anbieten. Grundsätzlich spiele ich mich mit dem Gedanken Biyoga auch personell zu erweitern. Auf jeden Fall stehen eine räumliche Veränderung bzw. eine Vergrößerung an.


Ein Beitrag von: Marlit Kumpf
Bilder: Unsplash

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