INTERVIEW | In Bayern wird nicht nur ökologische Brautmode produziert, manche Brautkleider bekommen hier sogar eine zweite Chance

Für das Nürnberger Modelabel Kleider machen Bräute hat nicht nur eine glückliche Braut, sondern auch eine glückliche Umwelt gleichermaßen Priorität. Brautmode muss nicht immer aus erster Hand und die Seide nicht immer von Raupen gesponnen sein. Steffi Schiener erzählt uns mehr zu Ihrem Label.

Nachhaltige-Mode.de: Kleider machen Bräute kann den Traum in Weiß erfüllen. Bitte stell uns das Unternehmen doch einmal kurz vor.

STEFFI SCHIENER: Wir von Kleider machen Bräute haben es uns zur Aufgabe gemacht, Brautmode nachhaltiger zu machen. Neben unserer eigenen Kollektion bieten wir bereits getragenen Brautkleidern in unserem Showroom ein Zuhause und finden noch einmal eine glückliche Braut für jedes Modell. In jedem Kleid steckt so viel Arbeit und Emotion, da wäre es doch schade, wenn es nach einmaligem Tragen für immer im Schrank verschwindet.

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Zum Thema nachhaltige Kollektion: Wie kann man sich das Konzept und die Modelle vorstellen?

Für unsere Kollektion ‘Sense of Green’ haben wir viel recherchiert. Uns war wichtig, so viel wie möglich mit recycelten Materialien und Stoffen aus schnell nachwachsenden, natürlichen Ressourcen zu arbeiten. So verwenden wir beispielsweise Chiffon aus 100 % recycelten PET-Flaschen und haben Tencel aus Eukalyptusfasern als super angenehmen und nachhaltigen Futterstoff für uns entdeckt.
Dass wir bei der Fertigung hier in Bayern auf faire Arbeitsbedingungen und beste Qualität achten, ist selbstverständlich.

Unsere Kollektion richtet sich an selbstbewusste Frauen, die mit offenen Augen durchs Leben gehen und Freude daran haben, mit guten Entscheidungen etwas Positives zu einer nachhaltigen Gesellschaft beizutragen. Unsere Kleider verleihen der Braut einen modernen, relaxten Look und sind dabei zeitlos und unkompliziert.

Sind Second-Hand-Brautkleider beliebt bei zukünftigen Bräuten?

Unser Second-Hand Konzept findet großen Anklang. Immer mehr Frauen werden sich bewusst, dass ein Kleid, das schon einmal eine große Party miterlebt hat, bereits jede Menge Emotionen mitbringen kann und in vielen Fällen somit sogar die bessere Entscheidung ist, als ein neues Kleid zu kaufen. Die Braut schont ihren Geldbeutel und würdigt gleichzeitig die vielen Stunden Handarbeit und Meter an Stoff, die in jedes Kleid fließen.

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Was steckt hinter eurem Service, das eigene Brautkleid zu verkaufen?

Ehemalige Bräute können ihrem Brautkleid bei uns noch ein zweites Leben schenken – und das ganz unkompliziert und stressfrei. Über unseren Service haben sie die Möglichkeit, uns ihr Kleid anzubieten. Wir machen ein unverbindliches Angebot und nehmen das Kleid in unseren Showroom auf. Mit bis zu 20 Anproben pro Woche steigern alle Verkäuferinnen ihre Erfolgschancen erheblich. Gleichzeitig bleibt der Verkauf anonym, sodass etwaige Diskussionen mit Käuferinnen (wie es vielleicht bei einem Privatverkauf der Fall wäre) entfallen.
Sobald ein Brautkleid seine neue Besitzerin gefunden hat, informieren wir die Verkäuferin und bezahlen den vorab vereinbarten Betrag aus. Ganz easy, oder?

Habt ihr auch gleichgeschlechtliche Paare in eurer Kollektion berücksichtigt?

Wir haben sogar demnächst ein gleichgeschlechtliches Paar, das gemeinsam bei uns auf Kleidsuche geht und fühlen uns geehrt, dass die Beiden zu uns kommen!
Grundsätzlich sind wir riesen Fans von Gleichberechtigung und Liebe für Alle, losgelöst von veralteten Konventionen.
Dadurch, dass sich Spitzenstoffe teils in verschiedenen Modellen wiederfinden, haben gleichgeschlechtliche Paare die Möglichkeit, verschiedene Kleider zu tragen und trotzdem zu matchen. Wir wurden in letzter Zeit zudem mehrfach nach Culottes zum Brautoutfit gefragt und werden das auf jeden Fall in der weiteren kreativen Planung berücksichtigen.

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Werden die Entwürfe und Designs von euch selbst angefertigt? Habt ihr externe Partner?

Unsere Designerin Saskia entwirft und designt alle Teile unserer ‚Sense of Green‘ Kollektion selbst hier in unserem Atelier in Nürnberg.
Gibt es erst einmal einen Prototyp, setzen wir uns im Team zusammen und diskutieren, ob wir noch Verbesserungspotenzial sehen.
Zur Fertigung haben wir einen Partner, ein Familienunternehmen aus dem schönen Niederbayern, mit ins Boot geholt.

Wie sieht die Zukunft für Kleider machen Bräute aus?

The future is bright green.
Wir sind überzeugt, dass unser Konzept in ganz Deutschland funktionieren kann. Wir bekommen regelmäßig so viel positives Feedback, sodass wir planen, zukünftig auch in anderen Teilen Deutschlands mit unserem Second Hand Konzept erreichbar zu werden. Als ersten Schritt werden wir deshalb im November unseren zweiten Showroom im Münchner Glockenbachviertel eröffnen.
Gleichzeitig entwerfen wir natürlich laufend neue Styles für unsere Kollektion, sodass möglichst viele Bräute nachhaltig heiraten können.
Als kleines Start-Up Unternehmen, das wir gerade noch sind, arbeiten wir jeden Tag hart dafür, euch Bräute da draußen glücklich zu machen und sind unfassbar dankbar, dass uns bereits so viele vertrauen und auf unserem Abenteuer begleiten.


Ein Beitrag von: Marlit Kumpf
Bilder: Kleider machen Bräute

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