Nachhaltige Mode, die die Wärme und Lebensfreude Afrikas ausstrahlt

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on whatsapp
Share on email

INTERVIEW I So farbenfroh und warm wie das Land Afrika ist auch die nachhaltige und faire Mode der Marke Africulture. Das Label kreiert legere unisex-Kollektionen, die Freude schenken.

Lebensfreude und Wärme – damit assoziieren die meisten das Land Afrika und seine Kultur. Klar, dass dies auch die Mode der Afrikaner*innen prägt, die farbenfroh und kunstvoll ist. Von diesem Stil hat sich das junge Unternehmen Africulture inspirieren lassen, um nachhaltige und faire Unisex-Mode zu kreieren. Dabei orientieren sich die in Kenia aufgewachsenen Gründer-Brüder Neel und Arjun nicht nur an der afrikanischen Kultur, sondern arbeiten auch eng mit den Kleinbauern vor Ort zusammen, um Fair Trade in Afrika zu fördern.

Mehr über Africulture und seine Mission, sowie die auffälligen Kollektionen und die Maßstäbe der fairen Produktions- und Arbeitsabläufe erfährst du im Interview mit Mitgründer Neel.

Nachhaltige-Mode.de: Neel, gemeinsam mit deinem Bruder Arjun hast du Africulture gegründet. Was ist eure Mission?

Neel: Dorothea, unsere Mission ist es, coole, afrikanisch inspirierte, aber vor allem faire und nachhaltige Mode zu kreieren und diese in die Welt zu tragen.

Bild: Africulture

Aus der Liebe zu Kenia habt ihr damals den Entschluss gefasst, nachhaltige Mode anzubieten, die euren Kund*innen ein Stück eurer Liebe und Faszination für dieses Land näherbringen soll. Wie genau setzt ihr das um?

Die Begriffe Liebe und Faszination beziehen sich vor allem auf die Wärme und Lebensfreude der Menschen, die in der Mode besonders durch die farbenfrohen und kunstvoll angefertigten Designs zum Ausdruck kommt. Den Kerngedanken vor Augen, dass Mode dabei fair und nachhaltig sein soll, beginnt die Umsetzung dieser Werte bereits bei der Rohstoffgewinnung. Sämtliche Rohstoffe, vorwiegend Baumwolle, beziehen wir vor Ort in Kenia und Tansania von Kleinbauern aus der Region. Diese werden dann in unserem Fair Trade (WFTO) zertifiziertem Familienunternehmen (OneWay) in Nairobi weiterverarbeitet. Durch die direkte Nähe und Kontrolle können wir sichergehen, dass die Rohstoffgewinnung unter fairen Bedingungen stattfindet und angemessene Löhne gezahlt werden. Alle Beschäftigten bei OneWay können darüber hinaus in eine Gewerkschaft eintreten und erhalten neben einer sehr fairen Bezahlung, weitere Unterstützung in Form von Kranken- und Altersvorsorge, sowie Schulbildungsfinanzierung.

Bild: Africulture

Beschreib uns doch einmal die Kollektionen und den Look der fairen Mode von Africulture. Was macht sie so besonders?

Getreu nach unserem Motto sind unsere Kollektionen afrikanisch inspiriert, farbenfroh, dabei meist dezent und in der Regel, durch einen legeren Stil geprägt.  Man erhält sowohl unisex Produkte, Damenmode, Herrenmode und auch Kindermode bei uns. Wir verwenden dabei teils klassische afrikanische Designs und Schnitte wie etwa unsere Kikoys (unisex), Kikoykleider und Kaftans (unisex), kombinieren aber meist klassische europäische/amerikanische Mode mit afrikanischen Designs. So bieten wir eine Vielzahl an T-Shirts, Tanktops, Hemden, Polo Shirts, Jogger, Bomberjacken, Hoodies, Caps und weitere Modeartikel und Accessoires an, die einen klassischen westlichen Schnitt haben, jedoch mit afrikanischen Elementen wie etwa Perlenschmuck, Kikoy und Kitenge Verzierungen veredelt werden. Kikoy und Kitenge sind charakteristische afrikanische Baumwollstoffe, die besonders farbenfroh sind und einen hohen Wiedererkennungswert haben.

Die gesamte Kleidung eures Sortiments wird in eurem Familienunternehmen in Kenia nach den 10 Fairtrade Prinzipien hergestellt. Kannst du uns kurz erklären, worum es bei diesen Prinzipien geht und wie dadurch faire Arbeitsbedingungen geleistet werden?

Die 10 Fairtrade Prinzipien umfassen Standards, die eine faire und umweltschonende Produktion und einen fairen Handel unter menschenwürdigen Arbeitsbedingungen gewährleisten sollen. Dabei spielen neben fairen Handelspraktiken und fairer Bezahlung auch Werte wie Religionsfreiheit, die Gleichbehandlung zwischen Frauen und Männern, das stricke Verbot von Kinderarbeit und ein hohes Maß an Transparenz und Rechenschaftsplicht eine große Rolle. Ein wesentliches Ziel ist dabei die Armutsbekämpfung durch direkten Einbezug und Handel mit regionalen Kleinbauern.

Welche Aspekte sind euch bei der Herstellung der nachhaltigen Accessoires und Modestücke in puncto Nachhaltigkeit und Fair Trade besonders wichtig?

Faire Bezahlung und kurze Liefer-Produktionsketten. Sämtliche Materialien für unsere Accessoires, sowie Textilien für unsere Mode, beziehen wir von Kleinbauern und Kleinhändlern aus der Region Ostafrika. Durch kurze Lieferketten und direkte Kontaktaufnahme wird zum einen die Umwelt möglichst wenig belastet, zum anderen erhalten die Kleinbauern deutlich mehr Lohn für Ihre Ware, da weitere Mittelsmänner nicht einbezogen werden müssen. Dies schaffen wir vor allem dadurch, dass wir direkt und vor Ort in Kenia mit Händlern und Kleinbauern kommunizieren.

Es sind aber nicht nur die Rohmaterialien, die wir vor Ort gewinnen. Die gesamte Produktion und somit auch die gesamte Wertschöpfung der Textilien findet frei von zusätzlichen Importen, ausschließlich in Kenia, in unserem Familienunternehmen statt.  Darüber hinaus ist es uns wichtig, soziale Projekte wie etwa Schulprojekte der Kibagare Academy und das Heshima Children‘s Center in Kenia und der Region zu fördern.

Kund*innen von Africulture können durch ihre Einkäufe bei euch die Kibagare Academy unterstützen. Wie sieht diese Unterstützung genau aus und was habt ihr hier bisher erreicht?

Bild: Africulture

Die Kibagare Academy ist bis heute leider die einzige Grundschlule in Kibagare, einem sehr armen Slum der Hauptstadt Nairobis. Die Schule wurde 2008 von Pastor Amos und weiteren Beteiligten ins Leben gerufen. Bis vor etwa zwei Jahren gab es weder ein festes Gebäude noch Bänke und Tische auf denen hätte gelernt werden können. Es mangelte und mangelt immer noch an elementaren Dingen. Die Zustände in Kibagare sind sehr schlecht. Durch unser Engagement und einer aufgerufenen Spendenaktion, konnten wir bereits ein paar Projekte umsetzten. So erhielten wir von Spendern aus Deutschland Computer, die wir der Schule kostenlos zur Verfügung stellen. Letztes Jahr zu Weihnachten haben wir die Schulkinder kostenlos mit T-Shirts, Polos und weiterer Kleidung ausgerüstet.

Getreu unserem Motto „Doppelt Freude schenken“ ist unser Grundsatz, dass wir ausnahmslos mit jedem verkauften Africulture Produkt einem Kind der Kibagare Academy eine warme Mahlzeit spenden. Wer also ein Africulture Produkt kauft, kauft nicht nur für sich, sondern leistet automatisch einen Beitrag für die Grundversorgung der Schule. In der Praxis erhält die Schule daher regelmäßig Lebensmittel von Africulture, sodass die Schulkinder täglich ein warmes Mittagessen erhalten.

Was wünscht sich Africulture künftig für die Modebranche in Puncto faire Arbeitsbedingungen?

Wir denken, dass allem Voraus eine transparente und faire Auslegung der Produktion und des Handels steht.  Wer weiß heute schon genau woher und unter welchen Bedingungen die Kleidung, die er trägt, stammt.

Durch eine transparente Kommunikation, Offenlegung der Produktionsstandards und der Verpflichtung die Regularien des fairen Handels der WFTO zu folgen, können Modeproduzenten und Verbraucher einen großen Beitrag zur Verbesserung der Lebensumstände der Menschen vor Ort Leisten.

Wir würden uns wünschen, dass sich alle Modefirmen nach den 10 Prinzipien der WFTO orientieren, um nachhaltig positive Veränderung in den Produktionsländern herbeizuführen und dabei weniger auf günstige Preise und ihren eigenen Profit achten.  Wir würden uns wünschen, dass transparent gezeigt wird, was, wie und wo produziert wird, welche Standards verfolgt werden und welche sozialen Projekte durch den Verkauf zusätzlich gefördert werden.

Gleichzeitig wünschen wir uns von den Verbrauchern ein erhöhtes Bewusstsein für die Lebenssituationen der allgemein immer noch sehr benachteiligten und teils sehr ausgebeuteten Rohstoffproduzenten und Kleinhändlern in den jeweiligen Produktionsländern. Wenn wir alle darauf achten woher und unter welchen Bedingungen unsere Kleidung hergestellt wird, werden Modefirmen deutlich mehr zur Verantwortung genommen ihre Produktion und den Vertrieb unter fairen Arbeitsbedingungen zu vollziehen, was wesentlich zur Armutsbekämpfung beiträgt.

Vielen Dank für das Interview, lieber Neel!

Dir schwebt nun auch noch eine Frage im Kopf herum, die du gerne an Africulture stellen möchtest?

Dann schreib sie in die Kommentare – wir freuen uns auf den Austausch mit dir!

_________________________________

Auch interessiert an Mode aus Hanf? Dann schau mal hier: Elkline: Urbane Mode aus Hanf und Bambus

Folg uns auf Instagram, um keine nachhaltigen Alternativen im Bereich Mode mehr zu verpassen: Nachhaltige-Mode

Hinterlassen Sie eine Antwort