Moekafashion: Für Vielfalt und Individualität

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INTERVIEW | Vielfalt und Akzeptanz in der Gesellschaft sind aktuell große Themen – diesen widmet sich Moekafashion mit seinen nachhaltigen Kleidungsstücken.

Bei Moekafashion gibt es nicht einfach irgendwelche Kleidungsstücke – die von Tom Sommer entworfenen Klamotten aus Bio-Baumwolle sind vielfältig, haben individuelle Designs und stehen für Nachhaltigkeit und Fairness

Was macht Moeakafashion so besonders und individuell? Wie wird Nachhaltigkeit und Fairness garantiert? Tom Sommer gibt dir im Interview einen Einblick in seine vielfältige Modewelt.

Nachhaltige-mode: Tom, Moekafashion steht für Vielfalt und Individualität. Wie spiegelt sich das in deiner nachhaltigen Mode wider?

Tom Sommer: Als einen Punkt würde ich sagen, dass Moekafashion ein sehr vielfältiges Repertoire an Styles bietet, Ich habe erstens T-Shirts im Programm, die ich als Streetwear bezeichnen würde – das sind T-Shirts mit Motiven, die vom Stil her an Logos erinnern, und die ich mit Grafikprogrammen erstellt habe. Dann habe ich Zeichnungen digitalisiert, die optisch in eine ganz andere Richtung gehen.  Ich habe Poloshirts ins Programm genommen, Unisexshirts mit Rund- und V-Ausschnitt, aber auch taillierte Shirts. Nicht zuletzt habe ich seit kurzem mit der Upcyclingfashion angefangen. Das ist wieder ein ganz anderer Stil mit sehr individuellen Ergebnissen. Ich verkaufe auch einige Accessoires, die zum Teil aus Second Hand Materialien bestehen. Also ich würde sagen, meine Mode lässt Raum für individuelle Geschmacksmuster.

Gezeichnete Motive habe ich derzeit drei auf T-Shirts gedruckt und eines auf einer Tasche. Eines davon nimmt das Thema LGBTIQ* auf und die anderen das Thema Klimawandel – diese Topics haben auch sehr viel mit Vielfalt zu tun. Das Thema LGBTIQ* war während der EM wieder sehr präsent und es gab Anfang des Jahres eine Outingwelle von 185 Schauspieler*innen im „SZ Magazin“. Dann wird etwa das Thema nonbinary bei Influencer*innen immer präsenter. Das zeigt, dass noch Luft nach oben ist was Toleranz, Akzeptanz und Sichtbarkeit der Community betrifft – also warum das Thema nicht nochmal aufgreifen? Ich habe übrigens auch viele Accessoires, die die Regenbogenfarben aufgreifen.

Hinzu kommt, dass ich auf meiner Seite keine Kategorien für Damen- und Herrenkleidung erstellt habe. So trägt etwa mein weibliches Model auch einige Unisexshirts und es gibt zwei Kleidungsstücke, die beide Models tragen. Die Einteilung in Männerklamotten und Frauenklamotten bringt uns von klein auf bei, die Geschlechtereinteilung als zentral zu begreifen. Aber ich denke es gibt viele Menschen, für die diese Frage eine weniger große Rolle spielt und daher fand ich es gut, die Kategorien der Klamotten nicht zu benennen.

Tom Sommer bei der Arbeit (Bild: Moekafashion).

Aus welchem Grund hast du Moekafashion gegründet und was treibt dich an?

Ich wurde dazu inspiriert! Als ich auf die Idee gekommen bin, dass ich aus einigen Zeichnungen T-Shirts machen könnte, hatte ich mit Mode im herkömmlichen Sinne nicht viel am Hut. Klar, ich hatte schon immer die Lust am Entwerfen, Kombinieren, an schönen Dingen, an der Kunst. Ich trage auch gerne Dinge, die mir an mir gefallen und schau sie mir auch genauso an anderen an. Ich gebe zu, dass ich einige Trends mitgemacht habe, aber leider ist Mode oft so schnelllebig. Es hat mich jedenfalls nie angetrieben, mich an der Fast-Fashion-Industrie zu beteiligen. Laut Plastikatlas 2019 gehen 15% der jährlichen Plastikproduktion auf Textilien zurück, 64% der Kleidung landet auf dem Müll. Insbesondere in den USA steigt die Menge an weggeworfenen Kleidungsstücke massiv an, in den letzten 20 Jahren hat sich die Menge von 7 auf 14 Mrd. verdoppelt. Das finde ich ziemlich erschreckend. Das muss doch nicht sein!

Es gibt ja glücklicherweise mittlerweile sehr viele nachhaltige Labels. Warum nicht noch eines gründen, und das Angebot vergrößern? Jedenfalls hatte sich bei mit eins mit dem anderen zusammengefügt und so entstand die Idee, ethisch produzierte Kleidung herzustellen. Ich möchte natürlich zum einen meine Kreativität ausleben und zum anderen meinen Teil für mehr Klimaschutz, mehr Toleranz und für mehr faire Arbeit leisten, denn die neuen Shirts und Pullover sind nicht nur aus Bio-Baumwolle und ohne (neuem) Plastik, sondern auch mit dem GOTS-Zertifikat ausgestattet.

Passend zu unserer nächsten Frage: Wieso legst du bei Moekafashion großen Wert auf Zertifizierungen und was sagen sie über deine Kleidung aus?

Mir ist es wichtig, dass meine Kleidung unter ethischen Gesichtspunkten hergestellt wird und Umwelt und Menschen hierfür nicht ausgebeutet werden. Die Kriterien sind recht umfassend. Ein Punkt ist, dass die Produkte biologisch sind und somit auf den Einsatz der schädlichsten Pestizide wie etwa Schwermetalle verzichtet wird, was nicht nur Einfluss auf die Umwelt und die Kleidungsstücke, sondern auch auf die Gesundheit der Arbeiter*innen hat. Der Einsatz eines Umweltmanagementsystems führt dazu, dass bis zu 90% Wasser eingespart werden. Für die Arbeiter*innen gelten Regeln bezüglich der Arbeitszeit, Überstunden, es gelten höhere Standards für den Arbeitsschutz und es gibt Gewerkschaftsrecht. Pausen werden geregelt und es gilt auch der Schutz gegen Diskriminierung. 2019 wurde das GOTS Siegel durch Stiftung Warentest als das Beste in der Nachverfolgbarkeit der Kleiderproduktion ausgezeichnet.

Aus welchen Materialien bestehen deine zertifizierten Kleidungsstücke neben der Bio-Baumwolle und woher beziehst du sie?

Die T-Shirts sind aus 100% biologischer Baumwolle. Die Hoodies sind zu 85% aus biologischer Baumwolle und zu 15% aus recyceltem Polyester. Ich beziehe sie von Stanley&Stella und produziert werden sie in Asien (Bangladesch, China).

Der Großteil der Moekafashion Shirts sind Statement-Shirts mit individuellen Prints. Wie entstehen die Designs und möchtest du damit eine Message verbreiten?

Ich denke die Messages sind alles andere als kryptisch. Wenn sie vielleicht auch mehrere Interpretationen zulassen, aber das möchte ich an dieser Stelle gar nicht vorgeben. Ehrlichgesagt fallen mir Ideen oft zu, aber einige entstehen auch in einem längeren Prozess und in langwierigen Arbeitsschritten. Aber ich hatte jetzt eigentlich gar nicht unbedingt das Ziel, Motive mit Diversity-Aussagen zu machen, sondern sie sind aus kreativen Situationen heraus entstanden und dann habe ich sie so stehen gelassen. Ich verkaufe derzeit auch nur einen Bruchteil der Zeichnungen, die ich mir vorstellen kann noch ins Programm zu nehmen, aber es waren einfach zu viele.

Combatclimachange-Shirt (Bild: Moekafashion).

Die kreativen Prints werden ökologisch auf die Shirts gedruckt. Was genau bedeutet ökologischer Druck, welche Rohstoffe werden genutzt und wie läuft das ab?

Beim ökologischen Druck werden pflanzliche Öle verwendet. Es wird auf giftige Schwermetalle verzichtet und die Rohstoffe sind nachwachsend, biologisch abbaubar und wasserlöslich. Dem ist bei konventionellen Druckfarben nicht so. Diese bestehen zu 50% aus Bindemitteln, die sehr schlecht abgebaut werden können. Außerdem verwendet die Druckerei mit der ich zusammenarbeite Ökostrom von Lichtblick, sie filtert ihr Abwasser in einer internen Reinigungsanlage und der Versand wird durch einen CO2-Ausleich neutralisiert.

Du stellst auch aus Secondhand-Kleidung Upcycling Mode her. Gib uns einen kleinen Einblick in das Sortiment und wo die Stoffe herkommen.

Ich habe jetzt einen Pullover und zwei T-Shirts, ein Stirnband und ein Armband auf meine Seite gestellt und warte erst Mal ab, wie das ankommt. Bisher habe ich Kleidung von Bekannten erhalten, die ich teilweise schon weiterverarbeitet habe. Ich habe noch einiges an Material, um etwa ein Dutzend Ideen umzusetzen. Es geht mir darum, Dinge zu verwerten, die tatsächlich nicht mehr gebraucht werden, also auch darum, Kleidungsabfälle zu vermeiden. Tatsächlich werden 75% der exportierten Kleiderspenden gar nicht benötigt, dass hat mich zum Nachdenken angeregt.

Nachdem ich ein wenig mit mir gerungen habe, habe ich mich doch dazu entschlossen das Projekt zu realisieren. Ich dachte erst das es eigentlich nicht möglich ist. Tatsächlich sind viele Kleidungsstücke noch sehr gut erhalten sind, die bei mir ankommen, sie sind ja nicht notwendigerweise abgetragen wenn sie aussortiert werden. Wobei ich auch einige Stücke habe, wo Mängel dran sind oder wo man sieht, dass sie schon getragen wurden. Aber vielleicht darf man das bei dieser Art von Mode auch mal sehen. Ich zeichne es jedenfalls dann auch so aus. Da die Lebenszeit vieler Textilien noch nicht abgelaufen ist – entsteht aus einem alten Kleidungsstück ein Neues – nur das keine neuen Materialien dafür eingesetzt werden. Das finde ich unglaublich faszinierend. Immer wenn ich dazu komme, entsteht wieder ein neues Kleidungsstück.

Upcyclingpullover (Bild: Moekafashion).

Was ist dir an der Moekafashion besonders wichtig und was möchtest du weiterhin im Slow Fashion Bereich erreichen?

Ich würde mich freuen, wenn ich die/den eine*n oder andere*n mit meinem Angebot einfangen kann, dass viele sich dafür entscheiden meine Marke zu tragen, weil sie die Kleidung mögen und natürlich auch weil sie diese mit Werten verbinden.

Und das bis zum nächsten Jahr nur noch 30% der Kleidung im Müll landen! Warum soll das nicht möglich sein?

Vielen Dank für das Interview, Tom!

Dir schwebt nun auch noch eine Frage im Kopf herum, die du gerne an Moekafashion stellen möchtest?

Dann schreib sie in die Kommentare – wir freuen uns auf den Austausch mit dir!

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