INTERVIEW | Die Themen Nachhaltigkeit und Fair Fashion nehmen die Plattformen der Sozialen Medien für sich ein und die junge Generation fühlt sich angesprochen.

 Als Blogger hat Sonja einen guten Überblick über die aktuellen Trends, doch nachhaltige, umweltfreundlich produzierte Mode ist für sie viel mehr als nur das. Sie stellt uns im Interview ihren Blog Tiny Green Footsteps vor.

Nachhaltige-Mode.de: Sonja, stell dich und deinen Blog bitte einmal kurz vor.

SONJA: Mein Name ist Sonja, ich bin 21 Jahre alt und komme gebürtig aus Münster, wo ich inzwischen auch wieder wohne und studiere. Vor nun fast drei Jahren habe ich meinen Blog „Tiny Green Footsteps“ gestartet aus dem Wunsch heraus, die Welt zu retten und mich darüber mit anderen auszutauschen, denen Nachhaltigkeit genauso am Herzen liegt. Damals war das gefühlt noch voll das Nischenthema…

Der Name des Blogs steht dafür, dass man auch mit kleinen Schritten etwas verändern und erreichen kann, ohne gleich den ganzen Alltag auf den Kopf stellen. Hauptsache, man fängt an, den Status quo zu hinterfragen. Inzwischen gibt es auf dem Blog nicht nur praktische Tipps, sondern auch längere Texte mit persönlichen Überlegungen. Dazu kommen noch einige Interviews mit grünen Unternehmer*innen.

Woher kommt deine Leidenschaft für Nachhaltigkeit?

Puh, das kann ich gar nicht mehr so genau sagen. Ich war schon in der Schule immer „die mit dem Bio-Joghurt“ und verwende Naturkosmetik, solange ich mich zurückerinnere. Mit 16 oder 17 habe ich dann eine Reihe von Dokus über Veganismus und Landwirtschaft aus der Bücherei ausgeliehen, bin erst Vegetarierin geworden und habe nach und nach auch auf Eier und Milch verzichtet. Irgendwie fühlt es sich gut an, rücksichtsvoll mit anderen und mit unserem Planeten umzugehen. Wenn man einmal weiß, was alles schiefläuft, fällt es einfach schwer, das zu ignorieren…

Bild: Tiny Green Footsteps

Woher nimmst du die Inspirationen für deinen Blog-Content?

Fast alles, was ich lese, sehe, höre, fließt irgendwie mit ein. Manchmal dokumentiere ich einfach nur, was ich gerade mache, zum Beispiel Gemüse anbauen oder eine Bodybutter zusammenmixen. Manchmal sind es Zeitungsartikel, Bücher oder Beiträge von anderen Blogger*innen, die mich auf ein bestimmtes Thema bringen – oder Dinge, die mir aufgefallen sind, weil sie mich im Alltag irgendwie stören, und über die ich deshalb berichten möchte. Ab und zu bekomme ich aber auch Anfragen von Leser*innen mit der Bitte, über ein bestimmtes Thema zu schreiben.

Was macht deiner Meinung nach einen nachhaltigen Fashion-Influencer aus?

Das geht auf jeden Fall über das Posten von Outfit-Fotos in Klamotten von Fair Fashion Labels hinaus. Wichtig ist in meinen Augen, auch über das „Warum“ zu sprechen – also das Aufbereiten und Teilen von Fakten zum Thema Modeindustrie. Ich bediene mich da immer gerne bei der Christlichen Initiative Romero und bei der Kampagne für saubere Kleidung, die an verschiedenen Standorten – auch in Europa – die Produktion von Kleidung unter die Lupe nehmen. Dazu kommt noch die bewusste bzw. kritische Auswahl von

Kooperationspartner*innen. Mit Fast-Fashion-Ketten zusammenzuarbeiten, käme für mich zum Beispiel nicht infrage. Und weil auch der Kauf von Fair Fashion Ressourcen verbraucht, gehört das Aufzeigen von Alternativen (wie das Einkaufen im Second-Hand-Store oder das Mieten bzw. Ausleihen von Kleidung) ebenfalls dazu.

Hast du Erfahrungen mit Hate gegen dich und dein umweltbewusstes Image machen müssen?

Zum Glück nicht wirklich. Mir wurde aber zum Beispiel mal vorgeworfen, Greenwashing zu betreiben, weil ich häufig günstigere Produkte aus der Drogerie zeige und weil ich Kokosöl verwende. In der grünen Bubble schauen einem die Follower*innen sehr kritisch auf die Finger, was auch gut ist – solange man beim Kritisieren konstruktiv bleibt.
Im Alltag komme ich mir dagegen öfter mal vor wie ein Moralapostel: Wenn jemand zum dritten Mal beteuert, er oder sie würde auch nur Bio-Fleisch kaufen oder neuerdings Second-Hand shoppen zum Beispiel. Das freut mich auf der einen Seite natürlich irrsinnig, aber auf der anderen Seite möchte ich nicht, dass jemand das Gefühl hat, sich vor mir rechtfertigen zu müssen. In meinem Umfeld „hatet“ jedenfalls niemand, höchstens reißt mal jemand einen Veganer-Witz.

Manchmal führen diese unterschiedlichen Rückmeldungen dann zu dem seltsamen Gefühl, gleichzeitig zu viel und nicht genug zu tun.

Wie gehst du mit der Vorbildfunktion als Influencer in der Modewelt um?

Ich versuche mit den Werten, die ich nach außen hin vertrete, auch privat im Einklang zu leben. Dass mir das nicht immer gelingt, teile ich aber auch, damit das „nachhaltige Leben“ nicht zu einem unerreichbaren und somit abschreckenden Ideal wird.

Meine Reichweite nutze ich außerdem dazu, Labels immer wieder kritisch zu hinterfragen: Wie nachhaltig ist es, wenn eine Fast-Fashion-Kette eine Badekollektion aus recyceltem Plastik, wo dann eine Bikinihose 4,50€ kostet, auf den Markt bringt? Wie nachhaltig ist es, wenn ein Fair-Fashion-Label dauernd mit Rabatten um sich wirft? Was ich auch super spannend finde: Materialien. Recycelte Baumwolle zum Beispiel klingt erstmal super, Kleidungsstücke aus recycelter Baumwolle sind aufgrund der kürzeren Fasern aktuell aber noch nicht besonders langlebig. Vieles ist eben nicht nur schwarz-weiß und es ist mir wichtig, mich auch damit auseinanderzusetzen und diese „Graustufen“ zu kommunizieren.
Bei meinen Bildern lege ich Wert darauf, dass man auch sieht, dass ich häufig die gleichen Outfits trage, denn ich möchte den Konsum von Kleidung nicht noch weiter ankurbeln.

Bild: Tiny Green Footsteps

Auf welchen Kanälen können deine Follower dich am besten erreichen?

Auf Instagram (@tinygreenfootsteps) bin ich sehr aktiv und poste fast täglich etwas.
Inzwischen bekomme ich darüber aber auch sehr viele Nachrichten – wer also ein wichtiges Anliegen hat, sollte mir besser eine Mail schreiben oder auf dem Blog einen Kommentar hinterlassen. Ansonsten findet man mich auch auf Pinterest.

Wohin führt der Weg für Tiny Green Footsteps in Zukunft?

Ich möchte meinen Schreibstil weiterentwickeln und journalistische Standards an meine Texte anlegen – zumindest auf dem Blog. Außerdem möchte ich weg vom „kauf dir die Welt grün“-Narrativ, das die Verantwortung für die Weltrettung den Konsument*innen zuschiebt. Wir brauchen verbindliche Regeln, so wie das Lieferkettengesetz, das Unternehmen für Schäden an Mensch und Umwelt in ihren Lieferketten haftbar macht. Über solche Themen möchte ich vermehrt berichten. Diese Beiträge sind meistens schwieriger zu bebildern als Produkt-Reviews oder Rezepte, deshalb bin ich bislang davor zurückgeschreckt. Aber dieser Herausforderung möchte ich mich nun stellen.


Ein Beitrag von: Marlit Kumpf
Bilder: Tiny Green Footsteps, Unsplash

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