Recycelter Schmuck aus traditioneller Gusstechnik von say time

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INTERVIEW I Schmuck, dessen Materialien zertifiziert oder recycelt sind? Dass das funktioniert zeigt das junge Unternehmen say time mit seinen nachhaltigen Schmuck- und Uhrenkollektionen.

Vor zwei Jahren gründete Selina Aynur Yanik gemeinsam mit Victor Gorelik das Schmuck-Label say time. Hier kreieren die beiden nachhaltige Schmuck- und Uhrenkollektionen aus nachhaltigen und zertifizierten Materialien, die von hoher Qualität sind und mit zeitlosem Design überzeugen.

Mehr zur Gründungsgeschichte, den Schmuck-Zertifizierungen und den Besonderheiten der handgefertigten Schmuck-Kollektionen von say time erfährst du unter anderem im Interview mit Gründerin und Geschäftsführerin Selina Aynur Yanik.

Nachhaltige-Mode.de: Selina, was steckt hinter say time?

Selina: Mitte 2018 habe ich das Label say time mit Victor Gorelik gegründet, nachdem wir uns an der Zeichenakademie kennenlernten und feststellten, dass wir sehr ähnliche Gedanken zur Schmuckbranche hatten und auch unser Verständnis von Ästhetik sich in vielen Punkten gleicht. Der Name say time ist eigentlich abgeleitet von meinem eigenen Namen: Selina Aynur Yanik – S.A.Y.. Da unser Gründungsprojekt eine nachhaltige Uhr war, ist der Name say time daraus geworden. Aber inzwischen haben wir auch eine Hochzeitschmuck- und Trauringkollektion die say yes heißt, sowie eine Alltagsschmuckkollektion, die unter say time jewellery läuft.
 

Bild: say time

Was hat say time dazu bewegt, nachhaltigen Schmuck herzustellen?

In der Ausbildung zur Goldschmiedin an der Zeichenakademie Hanau lernt man, wie Gold, Silber und Edelsteine abgebaut werden. Das hat mich damals sehr nachhaltig geprägt, denn die Arbeitsbedingungen sind zum Teil absolut unmenschlich. Nachdem wir dann jedoch Alternativen kennenlernten, nämlich Fair Trade Gold und Silber, recycelte Metalle und nachhaltig gewonnene Edelsteine, war es überhaupt keine Frage mehr, für welche Variante ich mich entscheide. Leider ist es allgemein sehr leicht zu verdrängen, wo einzelne Materialien herkommen. Zwischen den Minen und uns, den Goldschmieden, Juwelieren und Schmuckschaffenden, liegen ja noch Zwischenhändler, die den ganzen Prozess anonymer machen. So denken viele beim Kauf von Materialien oft nicht an die Herkunft. Daher verwenden wir auch am liebsten das recycelte Metall. Denn der Idealfall wäre ja, dass der recycling-Zyklus so gut ausgebaut wird, dass überhaupt kein neues Material benötigt wird. Wir fragen unsere KundInnen deshalb auch immer gezielt, ob sie alten Schmuck zuhause haben, damit dieser eben wieder in den Zyklus einfließen kann.

Bei say time betitelt ihr eure Produkte als fair. Woher bezieht ihr eure Materialien zur Herstellung des Schmucks und worauf legt ihr dabei besonders Wert, um fair und nachhaltig zu handeln?

Unser Fair Trade Gold und Silber beziehen wir von Fair Trade zertifizierten Händler*innen, die mit ebenso zertifizierten Minen arbeiten. Auch wir sind als Teil dieser Kette natürlich ein zertifizierter Partner*innen. Hier gibt es zwei verschiedene Siegel.
Das eine kennt sicherlich jeder von Kaffee und Bananen. Hier handelt es sich um das klassische Fair Trade Siegel. Was viele nicht wissen ist, dass es auch zertifizierte Minen gibt.

Das zweite Siegel heißt Fair Mined. Die Standards und Regelungen unterscheiden sich kaum von Fair Trade. Sie beschäftigen sich aber ausschließlich mit dem Thema Bergbau. Für Steine ist die Sache nicht ganz so einfach, da es hier keine richtigen Zertifikate gibt. Auch bei Diamantzertifikaten ist Vorsicht angesagt. Das Problem sind oft die unzähligen Zwischenhändler*innen, die das wirklich transparente Nachverfolgen der Herkunft der Steine fast unmöglich macht. Daher arbeiten wir hier mit zwei Edelsteinhändlern unseres Vertrauens. Beide fahren selbst in die Minen in denen die Steine abgebaut werden und machen sich selbst ein Bild von der Arbeitsweise. Sie unterstützen viele Minenarbeiter*innen auch durch Projekte um die Bedingungen zu verbessern. Eine tolle Alternative können auch Laborsteine sein. Die haben inzwischen eine fantastische Qualität und dafür musste nicht mal ein Berg umgegraben werden!

Weitere Aspekte, die wir berücksichtigen, sind möglichst kurze Lieferwege und die bevorzugte Zusammenarbeit mit anderen traditionellen Kleinunternehmen, die vergleichbare nachhaltige Strategien verfolgen wie wir.

say time stellt auch Schmuck aus recycelten Materialien her. Wie hoch ist der Anteil an Kollektionen aus ausschließlich recycelten Materialien innerhalb eures gesamten Sortiments und möchtet ihr diesen Prozentsatz zukünftig weiter erhöhen?

Unsere gesamte Ketten-Kollektion besteht aus recyceltem Material, bei allen anderen Kollektionen überlassen wir die Wahl immer den Kund*innen. Da wir kaum auf Lager produzieren, um auch eine Überproduktion zu vermeiden und weil wir viele Schmuckstücke noch individuell den Kundenwünschen anpassen, können die KundInnen vorab entscheiden, aus welchem Material er oder sie das Schmuckstück haben möchte. Sie können aus Fair Trade, Fair Mined und recycelt auswählen. Es gibt aber auch bei uns immer noch Raum für Verbesserungen. Denn bei vielen Dingen, wie Verschlüssen die wir nicht selbst anfertigen, ist es sehr schwer nachzuvollziehen, ob diese aus recyceltem oder neuem Material hergestellt wurden. Das ist ein Problem der Transparenz in der Branche. Aber wir merken auch, dass sich immer mehr bewegt. Wichtig ist auch, dass KundInnen mehr nachfragen. Denn nur so können wir gemeinsam für mehr Aufklärung sorgen. 

Ihr nutzt auch Ossa Sepia. Was hat es mit dem Material auf sich, wie beschafft ihr es und wie funktioniert die Verarbeitung?

Bild: say time

Richtig, ein großer Teil unserer Kollektionen wird im so genannten Sepiaguss-Verfahren hergestellt. Das ist tatsächlich eine sehr alte Gusstechnik, die aus Küstenregionen kommt. Die Sepiaschale ist die Rückenschale vom Tintenfisch, quasi der „Knochen“. Wenn ein Sepia stirbt, wird die Schale am Strand angespült, da sie einen Auftrieb hat. Dort können wir sie dann sammeln. Die Schalen sind zwar auch im Handel erhältlich, jedoch stammen diese aus der Fischfangindustrie. Daher unterstützen unsere Familie und Freunde uns dabei, im Urlaub am Strand die Sepiaschalen aufzusammeln.

Die Technik ist an sich sehr einfach. Die Schalen bestehen zum Großteil aus Kalk, daher kann man sehr leicht einen Schmuckrohling in die Schale pressen. Der Rohling wird dann wieder entfernt und in das Negativ, was sich nun gebildet hat, wird dann das flüssige Metall gegossen. Das besondere am Sepiaguss ist jedoch nicht, dass man so Schmuckstücke vervielfältigen kann, sondern es ist die die Struktur der Schale. Sie hat ein wellenartiges Muster, welches sich beim Guss auf das Metall überträgt. So entstehen die markanten Strukturen auf unseren Schmuckstücken. Die Schale verbrennt bei diesem Prozess weshalb nur ein Schmuckstück darin gegossen werden kann. Um also nicht so riesige Mengen an Sepiaschalen zu verwenden, fertigen wir von jedem Guss eine Silikonform an, mit der wir anschließend mit modernen Gusstechniken den Schmuck vervielfältigen können.

Kannst du uns mehr über die Schmuck- und Uhrenkollektionen von say time erzählen und was sie gegenüber anderen Angeboten ausmacht?

Unser Ziel war es immer, mit unserem Schmuck den Kund*innen etwas Besonderes zu bieten und gleichzeitig das Thema Nachhaltigkeit in der Uhren- und Schmuckbranche anzustoßen.
Auch das Thema Transparenz war uns immer sehr wichtig, daher freuen wir uns jedes Mal sehr, wenn KundInnen auf uns zukommen und mehr über die Herstellungstechniken und die Herkunft der Materialien wissen möchten. Das zeigt uns, dass in der Branche etwas passiert und auch bei den Kund*innen das Bewusstsein für nachhaltige Accessoires wächst. Wir leben in einer Zeit der Widersprüche und Gegensätze. Einerseits wird immer mehr, schneller und billiger produziert, auf der anderen Seite will man aber Qualität und Individualität. Darum geht es bei unserem Schmuck natürlich auch – klassische, traditionelle Handwerkstechniken sowie Qualität in Verbindung mit modernen Techniken. Es gibt bei uns eben keine Produkte von der Stange, trotzdem versuchen wir natürlich, den Preis für die KundInnen fair zu halten.

Was würdest du persönlich in der Schmuck-Branche ändern wollen im Zuge der Nachhaltigkeit?

An erster Stelle steht, denke ich, die Nachvollziehbarkeit. Wir müssen nicht nur als Schmuckschaffende die Möglichkeit haben von unseren Lieferanten klare, belegbare und glaubwürdige Aussagen über die Herkunft der Materialien zu bekommen, auch Kunden müssen diese Möglichkeit erhalten. Unsere Branche ist voll von Glitzer, polierten Oberflächen und auch von Luxus. Da spricht man natürlich nicht gerne über Kinderarbeit, Quecksilbervergiftung und zerstörte Landflächen. Aber genau das ist wichtig! Welchen Preis hat denn dieser Luxus über die Zahl auf dem Preisschild hinaus?

Ich denke, dass mit einem offenen Umgang dieser Themen viele Veränderungen angestoßen werden könnten.

Hast du zum Abschluss noch drei Tipps zur richtigen Pflege/ Haltung des Schmucks von say time, damit dieser noch länger glänzt, so wie am ersten Tag?

Hier sind eine alte Zahnbürste und Seife deine besten Freunde! Vor allem bei Schmuck, der viel Struktur hat, kann sich mal etwas Schmutz in den Vertiefungen ansammeln. Das ist aber mit Seife, lauwarmem Wasser und einer Zahnbürste schnell wieder beseitigt.

Wenn ihr Schmuck mit Steinen habt, versucht diese vor zu viel direkter Sonneneinstrahlung zu schützen. Also nicht auf einem Fensterbrett lagern, sondern lieber in einer Schmuckbox. Manche Steine können sonst nämlich blasser werden. Auch beim Putzen, sollte man sie von harten Reinigungsmitteln fernhalten, da diese manchen Steinen schaden können.

Zu guter Letzt, wenn ihr Silberschmuck habt, der angelaufen ist, könnt ihr diesen mit einem Silberputztuch reinigen. Diese Patina ist bei Silber aber ein ganz normaler Prozess. Persönlich liebe ich es, wie sich ein Schmuckstück mit mir verändert.

Vielen Dank für das Interview, Selina!

Dir schwebt nun auch noch eine Frage im Kopf herum, die du gerne an say time stellen möchtest?

Dann schreib sie in die Kommentare – wir freuen uns auf den Austausch mit dir!

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