Vom Fischernetz zum Accessoire: Rette die Meere mit Bracenet

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on whatsapp
Share on email

INTERVIEW | Du willst dabei helfen, die Meere von Fischernetzen zu befreien? Hier erfährst du, wie du deinen Beitrag leisten kannst.

Jedes Jahr treiben viele verlorengegangene oder versenkte Fischernetze in den Ozeanen weltweit ihr Unwesen. Die Folge: zahlreiche Meerestiere werden getötet.

Bracenet will das stoppen, indem es die Fischernetze aus dem Wasser holt – und diese nicht einfach woanders entsorgt, sondern zu handgefertigten Armbändern verarbeitet. Klingt interessant, oder? Mehr dazu liest du im Interview mit Gründerin Madeleine.

Nachhaltige-Mode.de: Madeleine, die Erkenntnis über die große Anzahl an Geisternetzen, die in den Ozeanen umherschwimmen, hat euch zur Gründung von Bracenet veranlasst. Schilder uns zu Anfang einmal die Situation mit den Fischernetzen und für welche Probleme sie sorgen.

Madeleine: Wir alle wissen, dass die Meere von der Plastikflut bedroht sind. Allein im Nordpazifik treibt ein Plastikstrudel, der Great Pacific Garbage Patch, der viereinhalbmal so groß wie Deutschland ist.  Aber was kaum jemand weiß: 46% davon besteht aus alten, verloren gegangenen oder absichtlich versenkten Fischernetzen. Dies ist nur ein Strudel, doch jedes Jahr landen bis zu einer Million Tonnen mehr dieser sogenannten “Geisternetze” in unseren Meeren und mittlerweile treiben sie durch alle Weltmeere. Da tun sie, was sie am besten können: Immer weiter fischen. Das ist also eines der zentralen Probleme durch Geisternetze, dass unzählige Tiere dadurch einen qualvollen Tod erleiden. Ein zweites Problem ist, dass sich die Geisternetze über die nächsten 600-800 Jahre in gefährliches Mikroplastik zersetzen und damit über die Nahrungskette auch die Menschen gefährden können.

Bild: Bracenet | Gründerin Madeleine

Etliche Tonnen dieser Fischernetze konnte Bracenet zusammen mit verschiedenen Partner*innen aus dem Meer fischen. Wie holt ihr die Netze aus den Ozeanen und wie werdet ihr auf sie aufmerksam?

Für die Bergung arbeiten wir eng mit Healthy Seas, Ghost Diving und Nofir zusammen. Healthy Seas navigiert Bergungsmissionen mit den weltweit 200 ehrenamtlichen, speziell geschulten Taucher*innen von Ghost Diving. Sie lösen die Geisternetze von Wracks und Riffen in bis zu 50 Metern Tiefe und bringen sie an Land.  Anschließend kommen die Netze zu Nofir, wo sie sortiert und umweltschonend nur mit Wasser gereinigt werden. Nofir sammelt ausgediente Netze außerdem direkt von Fischereien ein, damit sie gar nicht erst im Meer landen. Von Nofir kommen die Geisternetze schließlich zu uns. Tatsächlich haben Healthy Seas und Ghost Diving seit 2013 schon 585 Tonnen geborgen. Davon haben wir bisher 5 Tonnen verarbeitet, aber planen in Zukunft noch viel mehr zu verarbeiten. 

Mittlerweile erhalten wir auch von vielen anderen Quellen Netze, zum Beispiel von NGOs wie dem Ocean Voyages Institute, der Mare Foundation und dem WWF, die aktiv Geisternetze bergen. Einige Fischereien schicken uns ihre ausgedienten Netze auch direkt zu, damit sie gar nicht erst im Meer landen. Auch wer am Strand Netzteile findet, kann sie uns immer zusenden, denn wir freuen uns, so viele Netze wie möglich zu verarbeiten!

Bils: Bracenet

Aus den geborgenen Fischernetzen stellt Bracenet Upcycling Accessoires her: Schmuck, Taschen, Anhänger, Hundeleinen und Kamerabänder. Woher nehmt ihr die Ideen für die Produkte und sieht jedes Produkt anders aus?

Erstmal sind wir immer wieder erstaunt, in wie vielen leuchtenden Farben die Netze aus dem Meer kommen, sobald wir oder unsere Partner sie gereinigt haben. Unter Wasser sind Geisternetze noch eine Gefahr, an Land sind sie bunt und schön. Dies befeuert auch die Kreativität unseres Teams. Bei Bracenet kommen viele Berufe und Ausbildungswege zusammen und die Ideen für Produkte entstehen eben durch diese Diversität im Team, weil alle ihre Ideen kommunizieren können. Gemeinsam entwickeln wir dann die Produkte weiter. Ökologisches und zukunftsweisendes Design steht dabei an oberster Stelle. Neben den Ideen, die intern im Team entstehen, bekommen wir auch von unserer wachsenden Community immer wieder Ideen und wir versuchen auch möglichst viele davon zu realisieren.

All unsere Upcycling-Produkte zeichnen sich durch ihre originale Netz-Optik aus, sind Unikate und erinnern an ihr früheres Leben im Meer, deswegen ist das Aussehen der einzelnen Produkte am Ende immer vom Netz abhängig. Die Geisternetze werden abgesehen von einer Reinigung mit Wasser nicht behandelt und wir verarbeiten sie nur durchs Upcycling. Somit sind die Struktur, die Farbgebung und die Knoten allesamt original und auch einzigartig. Durch Sonneneinstrahlung, Wellengang und Reibungen an Riffen, Klippen und alten Schiffwracks gleicht kein Stück Netz zu 100% einem anderen.

Die nachhaltigen Accessoires werden in Handarbeit in Hamburg gefertigt. Wie läuft die Produktion ab und was wird außer den Fischernetzen noch verwendet?

In unserer eigenen Manufaktur in Hamburg werden die Netze, je nachdem für welches Produkt sie verwendet werden, zuerst zurechtgeschnitten. Für Bracenets bedeutet das beispielsweise, dass das große Netz in die verschiedenen Standardlängen (XS, S, M, L) für die Bracenets zugeschnitten wird. Danach werden sie ebenfalls in Handarbeit in die verschiedenen Produkte verwandelt. Das heißt, sie werden von unserem eigenen Team mit viel Liebe geknotet, verklebt oder vernäht und anschließend in plastikfreien und wiederverwendbaren Verpackungen für den Versand fertig gemacht.

Die Hauptbestandteile unserer Upcycling-Produkte sind immer Geisternetze und ausgediente Fischernetze, womit wir für unser Hauptmaterial keine neuen Ressourcen brauchen. Für Verschlüsse verwenden wir aktuell noch metallene Komponenten, allerdings haben wir mit der Technischen Universität Dresden eine innovative Methode entwickelt, unseren Netz-Verschnitt einzuschmelzen und daraus neue Verschlüsse für unsere Bracenets zu fertigen. Daneben schmelzen wir beispielsweise mit einer Hamburger Metallgießerei ausgediente Tauchflaschen ein und fertigen daraus Anhänger für unsere Bracenets. 

Bild: Bracenet

Auch Shirts und Taschen aus Biobaumwolle sind im Bracenet Sortiment enthalten. Haben diese auch einen Upcycling Charakter und wo werden sie hergestellt?

Unsere Teamwear haben wir eingeführt, weil unsere Kund*innen uns auch zusätzlich supporten und unsere Botschaft in die Welt tragen wollten. Für die Teamwear setzen wir auf fair produzierte Bio-Baumwolle und erhalten die Teamwear von Neutral, die durch viele Zertifikate (GOTS, EU Eco-label, Fairtrade etc.) ausgezeichnet und marktführender Hersteller von nachhaltiger Kleidung und Accessoires für den B2B-Markt sind. Die Produktion in Indien achtet Neutral auf die höchsten sozialen, ethischen und ökologischen Kriterien für die Bekleidungsproduktion. Für unseren Recycling Beutel werden gar keine neuen Materialen verwendet, sondern er wird ausschließlich aus recycelter Bio-Baumwolle und recyceltem Polyester von der Fair Wear Foundation hergestellt. 

Mittlerweile arbeiten wir aber auch an Upcycling-Alternativen für Taschen. Diese Upcycling-Taschen bestehen aus hochwertigem, ressourcenschonendem Hanf-Webstoff und geborgenen Geisternetzen. Diese werden in Handarbeit von unserem Manufaktur-Team gefertigt, mit Unterstützung durch eine kleine Hamburger Näherei.

Einen Teil eurer Einnahmen spendet ihr an Organisationen wie Healthy Seas, Sea Shepherd, Ärzte ohne Grenzen, Viva con Agua und weitere. Wieso habt ihr euch für diese Organisationen entschieden, wofür setzen sie sich ein?

Mit Healthy Seas arbeiten wir von Beginn an sehr eng zusammen. Bis zu 5,00 € für jedes verkaufte Produkt spenden wir an Healthy Seas, um weitere Bergungsfahrten mit Ghost Diving zu finanzieren sowie Bildungsmaßnahmen zu unterstützen und Präventivmaßnahmen mit Fischereien zu entwickeln.

Neben Healthy Seas unterstützen wir mit besonderen Projekten und Kooperationen aber auch viele andere Organisationen mit zusätzlichen Spenden. Da gibt es zum Beispiel die Charles Darwin Foundation für den Artenschutz auf und um den Galapagos-Inseln, The Outlaw Ocean Project für unabhängigen Journalismus über die Verbrechen auf Hoher See, Sea Shepherd für ihre Kampagnen zum Schutz der Meere oder Ärzte ohne Grenzen für den Kampf gegen das Coronavirus.

Bild: Bracenet

Denkt ihr, dass das Meer durch euren Einsatz irgendwann von den Fischernetz-Abfällen befreit sein könnte oder seht ihr das als einen ewigen Kreislauf des „Reinwerfens und Rausholens“?

Langfristig verfolgen wir das Ziel, uns selbst abzuschaffen, ja – denn das würde bedeuten, die Meere wären endgültig vom Spuk der Netze befreit. Aber alleine können wir den ewigen Kreislauf des Reinwerfens nicht durchbrechen. Darum arbeiten wir mit der Politik, NGOs, Universitäten und Fischereien zusammen, um Präventivmaßnahmen zu entwickeln, damit die Netze gar nicht erst im Meer landen. Zum Beispiel nehmen wir aussortierte, ausgediente Netze von Fischereien direkt an und helfen als Mitglied der Global Ghost Gear Initiative, den Kampf gegen die Geisternetze weltweit durchzusetzen. Zusammen mit unserem Erfolg mit Healthy Seas beim Befreien der Ozeane von Geisternetzen ist dies der Beweis, dass man mit innovativen und nachhaltigen Ideen einen spürbaren Beitrag zu einer besseren Welt leisten kann.

Vielen Dank für das spannende Interview Madeleine!

Dir schwebt nun auch noch eine Frage im Kopf herum, die du gerne an Bracenet stellen möchtest?

Dann schreib sie in die Kommentare – wir freuen uns auf den Austausch mit dir!

_________________________________

Mehr Upcycling-Tipps: Nimm den Wind aus den Segeln – nachhaltige Sneaker & Co. aus alten Segeltüchern

Folg uns auf Instagram, um keine nachhaltige Alternative mehr zu verpassen: Nachhaltige-Mode

Hinterlassen Sie eine Antwort